Monat: April 2017

Muskellesen? Von wegen!

Marko Kovic, der Präsident der Skeptiker Schweiz, hat sich als Versuchskaninchen für ein Experiment des „Tagesanzeigers“ zur Verfügung gestellt. In dem Videobeitrag gibt der „Mentalmagier“ Pat Perry vor, ein von Kovic gezeichnetes Symbol zu erraten. Perry betont, dass er keine Gedanken lesen könne, sondern lediglich unbewusste Muskelbewegungen des Skeptikers wahrnehme. Dazu müsse die Versuchsperson nur den Unterarm des Magiers halten und dabei an das Symbol denken. Auf Kovic macht das einen seriösen Eindruck – für ihn ist damit gezeigt, dass angebliche Gedankenleser keine übernatürlichen Fähigkeiten besitzen, sondern einfach eine gute Wahrnehmung haben.

„Perry könne nicht Gedanken lesen, aber die Signale und Impulse, welche sein Gegenüber unbewusst aussendet, sei es mit Mimik, Gebärden oder beim Muskellesen mit unbewussten Druck- und Zugbewegungen. Perry nehme diese Signale wahr und verarbeite sie zu einem Modell, ist Kovic überzeugt. Der Mentalmagier habe offenbar sehr gute Menschenkenntnisse, er habe eine ausserordentliche situative Wahrnehmung und grosse Ahnung von Psychologie.“

Auch die GWUP übernimmt die Erklärung des Magiers widerspruchslos und berichtet unter dem Titel „Skeptiker testet Gedankenleser“ von einem „verblüffenden Ergebnis“:

„Bei dem hier vorgeführten Trick reagiert der Zauberkünstler offenbar auf leichte Muskelimpulse von Kovic, in der Psychologie als Carpenter-Effekt bekannt. Was er als Mentalmagier mache, so Perry, sei nichts Übernatürliches, sondern ein Mix aus vielen Techniken wie aus (Bühnen-)Zauberkunst, Psychologie und Menschkenntnis.“

Hat man sich hier vorschnell mit der Erklärung des Mentalmagiers begnügt und ihm Fähigkeiten angedichtet, die er für diesen Trick gar nicht braucht? Wie eine Videoanalyse zeigt, wurden hier keine Gedankenleser entlarvt, sondern die Skeptiker vorgeführt. Vorneweg: Hut ab vor Marko Kovic, der die Fahne des kritischen Denkens hochhält und sich auf Perry einließ. In der Situation selbst hätte wohl kaum jemand den Trick durchschaut, erst die Videoaufzeichnung bietet eine gute Möglichkeit, dem Zauberkünstler in die Karten zu schauen.

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