Gesundheit

Lügen, dass sich die Lattenroste biegen

Jeder von uns kennt das Prinzip der „Kaffeefahrten“: Rentner nehmen an einer Verkaufsveranstaltung teil und werden dafür zu Kaffee & Kuchen oder auf ein Mittagessen eingeladen. Die Teilnehmer werden zusätzlich mit Gewinnversprechen oder Geschenken geködert. Meist werden Produkte aus dem Gesundheitsbereich angeboten, die als Weltneuheit präsentiert und mit allerlei psychologischen Tricks überteuert verkauft werden. Verkaufspartys der Firma RudH scheinen ganz ähnlich zu funktionieren – hier mein Erfahrungsbericht.

Die Firma RudH ist ein österreichisches Direktvertriebsunternehmen, das Produkte „rund um den Haushalt“ verkauft. RudH betreibt zwar einen Online-Shop, wo es tatsächlich Haushaltsgeräte zu kaufen gibt, bei den Verkaufspartys liegt der Fokus hingegen auf teuren Gesundheitsprodukten, bei denen die Geldbörse der älteren Teilnehmer viel lockerer sitzt und die Gewinnspanne wohl höher ist.

Kritik vom Konsumentenschutz

Mit Gesundheitsprodukten der Firma RudH hat sich bereits der Konsumentenschutz der Arbeiterkammer beschäftigt, nämlich mit einem dubiosen Magnetfeldstimulationsgerät namens „ePAD“. Die Magnetfeldtherapie ist ein medizinisch wirkungsloses Verfahren, doch das hielt die Berater der Firma RudH nicht davon ab, ihr Produkt mit medizinischen Aussagen über die krankheitslindernde Wirkung zu bewerben. So wurde versprochen, das e-PAD „senke den Blutdrucksenkung, beseitige Durchblutungsstörungen, lasse Wunden und akute Verletzungen schneller heilen, wirke entzündungshemmend“ und so weiter. Mit wissenschaftlich klingenden Begriffen wurden die Kunden in die Irre geführt und ihnen ein wirkungsloses Gerät um 1.270 Euro verkauft. Dass an den medizinischen Wirkungen nichts dran ist, musste auch die Firma RudH zugeben: Sie ruderte zurück und spricht nun von einem „Wellnessprodukt“. Verkauft wird das Gerät aber weiterhin. Einer betrogenen Kundin wurde ein Reisegutschein im Wert von 100 € angeboten. Die Konsumentenberatung rät Kunden, die das Gerät wegen seiner angeblichen krankheitslindernden Wirkung gekauft haben, den vollen Kaufpreis zurückzuverlangen:

„Wenn die Firma RudH auf einmal sagt: Die Wirkung gibt’s gar nicht, kann man den Kaufvertrag anfechten, weil man mit dem Argument der Krankheitslinderung in den Irrtum geführt worden ist.“

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Bei den RudH-Verkaufspartys gibt es einen Gastgeber, der Teilnehmer aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis zusammentrommelt, und dafür ein Geschenk erhält, etwa ein Pfannenset. Zusätzlich darf er sich etwas aus einem Katalog bestellen. Die Teilnehmer tragen sich mit ihren persönlichen Daten in einer Liste ein, womit sie gleichzeitig die Zustimmung erteilen, zu Werbezecken kontaktiert zu werden. Jeder Teilnehmer wurde auf ein Essen eingeladen (die Getränke waren selbst zu bezahlen) und erhielt einen 100 € Reisegutschein sowie ein kleines Geschenk. Auch hier schaltete sich vor kurzem der Konsumentenschutz ein: Laut dem Konsumentenmagazin „heute konkret“ könne man diese Reisegutscheine nur auf einer eigenen Seite im Internet einlösen, wo man sich dann erst recht nichts ersparen würde. Auch die versprochenen Geschenke ließen lange auf sich warten, angeblich wegen Lieferschwierigkeiten.

Das Geschäft mit der Angst

Auf der Party wurde ein einziges Produkt vorgestellt: ein Matratzensystem. Die inhaltliche Ausrichtung des Vortrags war schnell klar. Bereits nach 10 Minuten sprach der Berater von allerlei chronischen Erkrankungen, die wir mit der falschen Matratze bekommen würden. Laut einem Werbeprospekt der Firma RudH gibt es fast keine Krankheit, die sich nicht auf eine falsche Matratze zurückführen lässt:

Tinnitus, Migräne, Schwindel, Nebenhöhlen, Augenleiden, Neuralgien, Akne oder Pickel, Gehörverlust, Polypen, Heuschnupfen, Halsschmerzen, Heiserkeit, Steifes Genick, Schulterschmerzen, Mandelentzündung, Erkältungen, Schilddrüsenerkrankungen, Schmerzen in Unterarmen und Händen, Atembeschwerden, Asthma, Funktionellen Herzbeschwerden, Lungenentzündung, Bronchitis, Grippe, Gallenleiden, Gelbsucht, Leberleiden, Fieber, Anämie, Kreislaufschwäche, Magenbeschwerden, Verdauungsstörungen, Geschwüre, Gastritis, Abwehrschwäche, Allergien, Nesselausschläge, Koliken, chronische Müdigkeit, Nieren- und Blasenleiden, Rheumatismus, Blähungen, Verstopfung, Kolitis, Durchfall, Krämpfe, Übersäuerung, Krampfadern, Menstruationsbeschwerden, Impotenz, Fehlgeburten, Blasenleiden, Kniebeschwerden, Schmerzhaftes oder zu häufiges Harnlassen, Ischias, Hexenschuss, Rückenbeschwerden, Geschwollene Knöchel, schwache Beine, Wadenkrämpfe, kalte Füße, Becken- und Hüftgelenkschmerzen, Wirbelsäulenverkrümmungen, Hämorrhoiden, Afterjucken.

Hausstaubmilben werden immer gerne als Verkaufsargument für Matratzen genutzt. Tatsächlich gibt es Menschen, die auf bestimmte Eiweißstoffe in den Ausscheidungen dieser Tiere allergisch reagieren. Anders als der Vortragende uns weismachen wollte, beißen sie uns jedoch nicht und kacken in die offene Wunde, sondern ernähren sich von abgestorbenen Hautzellen, die wir im Bett verlieren. Beim Thema Hausstauballergie wurde auch nicht erwähnt, dass 90% der Bevölkerung gar nicht von der Allergie betroffen sind und Hausstaubmilben für diese Personen harmlos sind. (Anstatt teure Matratzen zu kaufen, können sich die 10% Allergiker auch einfacher mit allergendichten Überzügen, sogenannten Encasings, Abhilfe schaffen.)

Auch mit Hilfe von pseudowissenschaftlichen Aussagen, die auf weitverbreiteten Aberglauben anspielen, wurde Angst vor Krankheiten geschürt. So wurde etwa behauptet, die Matratze schütze aufgrund von eingearbeiteten Carbonfasern vor Elektrosmog, Handystrahlen und Wasseradern – alles Konzepte ohne ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund. Mit dem esoterischen Begriff der Lebensenergie wurde ebenfalls gearbeitet. In Bezug auf Feder- und Daunenkissen wurde behauptet, dass diese aufgrund der elektrostatischen Aufladung Krankheiten und Schmerzen „anziehen“ würden. Auch das lässt sich natürlich unter Aberglauben einordnen:

Manchmal wird dazu geraten, nicht auf Feder- oder Daunenkissen zu schlafen, da diese den Zahnschmerz „ziehen“ sollen, was dem Aberglauben zuzuordnen ist. Die Verstärkung des Zahnschmerzes (Nachtschmerz) ist auf die liegende Position und damit veränderte Blutdrucksituation im Kopfbereich zurückzuführen, womit auch der schmerzauslösende Druck im Pulpencavum des Zahnes erhöht wird

Eine Wunderfaser namens Celliant

Eine große Rolle spielte die Wunderfaser Celliant, die als Produktneuheit beworben wurde. Textilien aus dieser speziellen Faser werden gesundheitsfördernde Wirkungen wie verbesserte Sauerstoffwerte, eine Steigerung des Wohlbefindens und verbesserte sportliche Leistungen nachgesagt. Es gebe kaum einen Spitzensportler, der nicht Celliant-Kleidung tragen würde. Dabei wird behauptet, optisch aktive Partikel aus Mineralien würden mit der Körperwärme interagieren und dem Körper im Schlaf Energie zurückgeben. Dass derartige Versprechen Humbug sind, habe ich bereits in einem eigenen Artikel gezeigt, der sich mit der vermeintlichen Innovation beschäftigt: Mit Gesundheitstextilien blöd aus der Wäsche schauen. Banalitäten werden hier mit wissenschaftlich klingenden Begriffen ausgeschmückt und natürlich ablaufende Prozesse mit dem Produkt in Verbindung gebracht. Es wurde behauptet, eine „Studie“ hätte die Wirkung von Celliant „bewiesen“. Dabei wurde in einem beeindruckenden Vorher-Nachher-Vergleich gezeigt, dass einem Menschen unter einer Celliant-Decke wärmer ist als in einem Eiswürfel-Bad. Wer hätte das gedacht: Eine Bettdecke erhält die Körperwärme!

Wissenschaftlich bewiesen?

Der Verkäufer betonte, er würde nichts verkaufen, für das es keinen wissenschaftlichen Nachweis gebe. Es wurde immer wieder erklärt, dass alles wissenschaftlich bewiesen sei, und auf neueste „wissenschaftliche“ Erkenntnisse verwiesen – meist von einem „Institut“, das auch Wünschelrutengeher ausbildet. Die Bezeichnung Institut soll hier den Anschein wissenschaftlicher Seriösität vermitteln, doch als Institut darf sich jeder bezeichnen, auch ohne Bezug zur Wissenschaft, wie es beim genannten Institut der Fall ist. Meinungen von Einzelpersonen und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate wurden so dargestellt, dass sie die Aussagen der Verkäufers untermauern.

Es wurden auch angebliche wissenschaftliche Erkenntnisse über die Konkurrenz (die ihrerseits mit ähnlichen Gesundheitsversprechen arbeitet) präsentiert: deren Produkte seien gesundheitsschädlich! Matratzenüberzüge mit eingearbeiteten Silberfäden würden nützliche Hautbakterien töten, weiters würde Silberabrieb über die Atemluft in den Körper gelangen und dort die guten Darmbakterien schädigen. Ein deutsches Verbraucherportal klärt auf:

Es gebe derzeit „keine Hinweise darauf, dass Silberteilchen aus dem Matratzenbezug durch Abrieb direkt auf die Haut oder in die Atemluft gelangen würden. Nach dem bisherigen Kenntnisstand ist eine Silber-Ausrüstung wie in der fraglichen Matratze nicht gesundheitlich bedenklich.“

Da jedoch auch kein Nutzen zu erwarten ist, wird wegen der Gefahr einer Resistenzbildung von Mikroorganismen vom massenhaften Einsatz von Silber in Verbraucherprodukten abgeraten. Resistente Keime könnten dann im medizinischen Bereich nicht mehr effektiv mit Silber abgetötet werden.

Psychologische Tricks

Bei der Preisgestaltung wurde stark mit psychologischen Tricks gearbeitet: Zuerst wurde ein hoher Preis (über 3.000 Euro) als Anker genannt, dann hieß es, es gebe nur mehr für kurze Zeit eine Aktion, wo der Lattenrost gratis ist. Auch Vergleiche mit teuren Produkten anderer Anbieter sollten das eigene Produkt billiger erscheinen lassen. Zudem wurde behauptet, nur die Firma RudH könne eine solche Qualität zu diesem Preis bieten, weil man keine Werbung schalte, sondern auf Mundpropaganda setze. (Der Ausdruck Propaganda ist hier wörtlich zu nehmen!) Bei der privaten Besprechung mit den Kundenpaaren gabs dann nochmal einen persönlichen Rabatt, wo sich das eine oder andere Paar schon überreden lässt, mehrere Tausend Euro für 2 Matratzen mit Decke und Polster auszugeben. (Dass sich die zuvor genannten Preise bei Paaren verdoppeln, daran habe ich auch nicht gleich gedacht.) Auch spielerische Elemente wurden eingebaut: Wer gleich gekauft hat, konnte bei einem Spiel Einkaufsgutscheine gewinnen.

Zahlungsbereitschaft bei Matratzen

Den Teilnehmern dieser Werbeveranstaltung war durchaus bewusst, dass der Berater sehr viel gelogen hat. Aber offenbar haben sie sich gedacht: Wenn nur ein Bruchteil von den gemachten Versprechen stimmt, ist das Produkt sein Geld schon wert. Im Nachhinein haben viele Gäste das Angebot nicht als überteuert empfunden, weil ihre bisherigen Matratzenkäufe auch nicht viel billiger waren. Laut Stiftung Warentest liegt das einfach daran, dass die Leute bereit sind, so viel Geld für eine Matratze auszugeben. Dadurch sind die Margen hoch und die Händler verdienen gut. Die Preise in dieser Branche seien häufig willkürlich und haben nichts mit der Qualität der Matratze zu tun. Die beste jemals getestete Matratze kostete 199 Euro. Kunden werden falsche, aber verkaufsfördernde Argumente aufgetischt.

Lassen Sie sich nicht über den Tisch ziehen. Die Matratzenbranche erzählt Werbemärchen, dass sich die Lattenroste biegen. Sie will möglichst teure Schlafstätten verkaufen.

Nicht jede Matratze ist für jeden gleich gut geeignet. Man muss für sich je nach Körperform und Schläfer­typ ausprobieren, ob eine Matratze geeignet ist. Gesundheitsversprechen sollten kritisch hinterfragt werden. Der Einfluss des Lattenrosts wird bei weitem überschätzt, seine wichtigste Funktion ist die Belüftung der Matratze.

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Was steckt hinter Move InForm?

Motivierte Fitnesscoaches werben derzeit für den „Move InForm“-Club und die 90-Tage-Body-Challenge. Auf Facebook geben sie Ernährungsempfehlungen und Tipps zum Abnehmen, mit denen man seinem Traumkörper näher kommen soll. Angeboten werden ein kostenloses, persönliches Coaching sowie zugehörige Trainingspläne und Rezeptvorschläge. Was hat es damit auf sich?

Hinter Move InForm steckt das Multi-Level-Marketing-Unternehmen NSA, das unter der Marke „Juice PLUS+“ umstrittene Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate vertreibt. Bei dieser Vertriebsform versuchen selbstständige Verkäufer im Freundes- und Bekanntenkreis neue Kunden zu gewinnen, die wiederum selbst als Verkäufer tätig werden sollen. Versprochen werden nicht nur gesundheitliche Wirkungen der Kapseln, sondern auch lukrative Verdienstmöglichkeiten für die Verkäufer.

Neben materiellen Anreizen hat die „Verkaufsfamilie“ noch mehr zu bieten: Anerkennung. Bei jährlichen Treffen der Verkäuferinnen und Verkäufer wird gelobt, gewürdigt und geklatscht, was das Zeug hält. Firmeneigene Motivationsvideos zeigen begeisterte fröhliche Menschen. Worte wie „Glück“ und „Unabhängigkeit“ fallen häufig. Juice PLUS+® ist nicht mehr nur ein trockenes Gemüsepulver, sondern wird als Lebensgefühl vermarktet.

Abgesehen davon, dass die Produkte meist unnötig und überteuert sind, stellt sich der Erfolg nur bei wenigen Mitarbeitern an der Spitze der Verkaufspyramide ein. Oft sind die eigenen Verkäufer die besten Kunden, die für Produktpakete, Lizenzgebühren und Werbematerialien bezahlen.

Mit Move InForm und der 90-Tage-Body-Challenge möchte man nun anscheinend eine neue, junge Zielgruppe erschließen. Dabei werden gezielt Jugendliche angesprochen und angebliche Verdienstmöglichkeiten in Aussicht gestellt. Die Rekrutierer prahlen gerne mit einem luxuriösen Lebensstil, sie zeigen sich etwa mit protzigen Autos und auf Reisen.

Mein 17-jähriger Sohn wurde am Wochenende von einem Rekrutierer angeschrieben, ob er als Fitness Coach ‚Move Inform‘ für ihn tätig werden möchte. (…) Mein Sohn wurde bereits einer Gehirnwäsche unterzogen. Er glaubt die leeren Versprechungen in kurzer Zeit reich zu werden, ohne viel dafür tun zu müssen.

Mit Bildern von gesunden Nahrungsmitteln und sportlichen Körpern will man ein erstes Interesse für Fitness und Gesundheit wecken. Egal ob man 5 Kilo abnehmen, Muskelmasse aufbauen oder sich einfach vitaler fühlen möchte, für jede Zielgruppe ist etwas passendes dabei. Interessenten sollen dann aber nicht nur 90 Tage lang die Vitamine, Shakes und Riegel kaufen, sondern auch neue Teilnehmer für das Konzept begeistern. Dazu nennen sie sich selbst einfach Fitnesscoach, denn dieser Begriff ist nicht geschützt, wirkt aber professionell. (Manche machen zusätzlich einen kostenpflichtigen Online-Kurs und dürfen sich als Fitnesstrainer bezeichnen.) Die Texte, mit denen man einst angelockt wurde, soll man nun selbst auf Social-Media-Plattformen teilen. Das unehrliche Fitness-Konzept auf den Punkt gebracht:

Mangelhafte Konzepte werden von unqualifizierten Personen an motivierte aber unwissende Menschen heran getragen – Nicht um zu helfen, sondern um damit Geld zu verdienen

Aquapol treibt seine Kunden in den Ruin

Das Aquapol-System ist ein Scharlatanerieprodukt zur esoterischen Mauertrockenlegung, das mit einer gravomagnetischen Energie arbeiten soll. Aquapol verkauft wirkungslose Geräte um mehrere Tausend Euro, wobei die Verkäufer zusätzliche Begleitmaßnahmen vorschreiben, die dann tatsächlich eine Besserung bringen können. Gegründet wurde die Firma Aquapol vom Scientologen Wilhelm Mohorn.

Aus älteren Schulungsunterlagen für angehende Aquapolvertreter geht hervor, dass Scientology-Methoden auch in Verkaufsgesprächen mit Kunden zur Anwendung kommen. Das Ziel des erfolgreichen Verkäufers soll es sein, den wunden Punkt des Kunden zu treffen – was wäre sein persönlicher Ruin?

In der Verkaufsrichtlinie Eine erfolgreiche Methode um ein Aquapolsystem zu verkaufen gibt Wilhelm Mohorn 10 Schritte vor, die hohe Abschlussquoten bringen sollen. Immer wieder fällt der Begriff des Ruins:

Objektbeschauung mit dem Kunden und Ausschau nach seinem Ruin! Auswertung der Analyse mit Beachtung des Ruins. Anwendung der Bewusstseinsskala, so dass der Kunde etwas tun will, um seinen Ruin zu lösen.

Danach erst sollen die Aquapolprodukte als Lösung präsentiert werden. Die Basis für ein gutes Verkaufsgespräch wird bereits im ersten Schritt gelegt, in dem den Kunden mit persönlichen Komplimenten geschmeichelt wird. Eine Feuchtemessung wird als wertvolles und kostenloses, aber unverbindliches Service der Firma Aquapol dargestellt. Eine Tiefenmessung soll zutage bringen, was man an der Oberfläche nicht erkennen kann. Der Verkäufer lässt sich durchs Haus führen, zeigt Mitgefühl und soll den wunden Punkt der Famlie finden. Was macht den Kunden am meisten Sorgen? Danach soll gezielt geforscht werden, bis beim Kunden eine gewisse Traurigkeit feststellbar ist.

Was ist der wunde Punkt? Was ist der Ruin der Familie? Was will sie gelöst haben? Was beschäftigt den Kunden oder die Kundin am meisten? FINDEN SIE SEINEN ODER IHREN WUNDEN PUNKT HERAUS !!!!! Im Wesentlichen bedeutet ein Ruin ein Verlust bzw. ein drohender Verlust von geistiger bzw. materieller Natur!

Bei der anschließenden Mauerfeuchteanalyse und Störfeldmessung soll der Kunde das Gefühl bekommen, dass sich der Verkäufer wirklich für sein Objekt interessiert. Er soll selbst mithelfen und wird dadurch für Informationen zugänglicher.

Verwickeln Sie den Kunden wo es nur geht. Er wird ein Teil des Problems und nicht nur inaktiver Zuseher, den das Ganze nichts oder eigentlich wenig angeht.

Bei der Störfeldmessung werden dem Kunden als verkaufsfördernde Maßnahme mittels Geomagnetometer oder Wünschelruten unterirdische Wasseradern gezeigt und diese mit durch Erdstrahlen begünstigte Krankheiten in Zusammenhang gebracht. Gezielte Fragen sollen den Kunden aufrütteln.

„Sind Ihre Schlafzimmer über diesen starken Störzonen? Leiden Sie oder Ihre Gattin oder Ihre Kinder an Schlafstörungen, rheumatischen Beschwerden etc.? Würde mich nicht wundern, da diese Erdstrahlungen von der Art, wie Sie haben, Krankheiten begünstigen, wenn nicht auslösen, wie es in der Wissenschaft, nun ja, des öfteren bereits bewiesen wurde. Die wenigsten wissen, dass es mit der Bodenstrahlung im Zusammenhang steht.“

Beobachten Sie sehr gut die Reaktionen des Kunden – möglicherweise haben Sie hier einen seiner Ruins entdeckt, zB. „Angst um die Gesundheit“.

Ein anderer Ruinpunkt in Bezug auf Gesundheitsverlust könnte sein:

die kleine Tochter, die durch die parzillenreiche Luft bereits an Bronchialasthma leidet, die möglicherweise, vielleicht einmal chronisch werden kann, sodass sich die Eltern vorwürfe machen müssten, wenn etwas passiert.

Vorführungen im Schlafzimmer des Kunden sollen den Kunden beeindrucken, etwa die Messung von 50-Hertz-Wechselfeldern oder Veränderungen des Erdmagnetfeldes mittels Kompass.

Damit erzielen Sie einen tollen Effekt beim Kunden. Mit diesen relativ einfachen Störfeldmessungen konnte ich einige, sehr negativ denkende Kunden total umstimmen bzw. auf meine Seite gewinnen. Sehr entscheidend bei der Störfeldmessung ist der Effekt. Physikalische Tatsachen überzeugen den Kunden.

Natürlich wird auch hier auf das Krankheitsrisiko eingegangen. Eine Krankheit wird als Summe von verschiedenen Einflüssen dargestellt. Dem Kunden soll die Hoffnung gemacht werden, dass man diese ausschalten kann.

Bei manchen Kunden überwiegt die Gesundheit mehr als die Mauerfeuchtigkeit als Kaufmotiv.

Bei der anschließenden Auswertung der Analyse wird der Ruin des Kunden geschickt eingeflechtet und ihm bewusst gemacht. Dabei soll nach der Bewusstseinsskala von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard vorgegangen werden.

Wenn Sie diese Skala beherrschen, der Reihenfolge nach, so können Sie jeden Kunden zu dem Punkt bringen, wo er etwas tun will !!!

Aus Angst vor einer Verschlechterung wird der Kunde erkennen, dass er dringend eine Veränderung braucht, und nach einer Verbesserung verlangen. Das ist der Moment, wo der Aquapolverkäufer Hoffnung und Hilfe vermitteln kann. Den Nachteilen herkömmlicher Verfahren werden die scheinbaren Vorteile des Aquapolsystems gegenübergestellt, etwa dass nicht in die Bausubstanz eingegriffen wird und daher kein Schmutz und Lärm entsteht. Das Aquapolgerät soll auch Energie sparen, da es von einem unbekannten dynamischen Erdmagnetfeld gespeist wird:

Es ist zwar schon ermittelt, aber genaueres kann ich Ihnen heute auch nicht sagen, bis auf das, dass wir jede Menge Gebäude trockengelegt haben, sehen Sie hier nur die Hülle von Referenzen.

Beim Geschäftsabschluss sollten die Verkäufer nicht zu viel Zeit verlieren. Der Kunde soll abgelenkt werden, dass er nicht in eine Entscheidungsphase kommt, ob er das System will oder nicht. Stattdessen soll man ihm gratulieren, dass er ein gutes Geschäft gemacht hat. Danach soll der Verkäufer noch sitzen bleiben und über Gott und die Welt plaudern – man will doch schließlich nicht den Eindruck erwecken, nur wegen des Verkaufs hier zu sein.

Master of Nahrungsergänzungsmittel

Heute bin ich auf eine dreiteilige Seminarreihe aufmerksam gemacht worden. Der Vortragende Dr. Markus Stark spricht dabei über Steinzeiternährung, Entgiftung, den Darm, das Immunsystem und Cholesterin. Ein Herr Doktor, der über Medizin, Ernährung und Gesundheit spricht, mag viele gesundheitsbewusste Menschen beeindrucken. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch: Es geht wieder einmal nur um den Verkauf von teuren Nahrungsergänzungsmitteln.

Nahrung als Medizin

Auf seiner Website nahrung-als-medizin.eu (dort gibt es sein gleichnamiges Buch zu bestellen) präsentiert sich der Vortragende mit vollen Namen und Würden: Mag. Dr. Markus Stark M.kPNI, fallweise auch Mag. Dr. Markus Stark MSc. Er stellt sich als Dozent für klinische Psycho-Neuro-Immunologie und Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Leistungsdiagnostik vor. Als Dozent ist der Mann doch sicher ein angesehener Mediziner mit profundem Fachwissen in seinem Spezialgebiet Immunologie – könnte man meinen. Doch mit Medizin hat der werte Herr eigentlich gar nicht so viel am Hut, wie man angesichts der wissenschaftlich klingenden Begriffe vermuten würde. Er ist nämlich gar kein Arzt und hat auch nicht Medizin studiert, sondern seinen Magister und Doktor in Sportwissenschaften erworben. Den beeindruckenden Master in klinischer Psycho-Neuro-Immunologie wollen wir später noch genauer unter die Lupe nehmen.

Ein fehlendes Medizinstudium hindert natürlich niemanden daran, Patienten zu behandeln. In Deutschland gibt es dafür den Heilpraktiker und in Österreich den Humanenergetiker. Energetiker müssen keinerlei Ausbildung vorweisen, es handelt sich um das „freie Gewerbe der Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit“. Markus Stark hat eine aufrechte Gewerbeberechtigung als Humanenergetiker. In einer persönlichen Einzelstunde kann man sich bei ihm beraten lassen, diese kostet beim Ersttermin 100-150 Euro. Korrekterweise führt er auch folgenden rechtlichen Hinweis auf seiner Website an:

Es findet beim persönlichen Kliententermin eine energetische Beratung unter Zuhilfenahme der erlaubten Methoden statt. Die Maßnahmen stellen keine Heilbehandlung dar, sondern dienen der Harmonisierung körpereigener Energiefelder. Dieses Gespräch ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Für eine Diagnoseerstellung und Therapie wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt. Für Laboruntersuchung und Diagnosen wenden Sie sich an einen der Partnerärzte.

Worüber er mit seinen Klienten wohl spricht? Eine persönliche Beratung dürfte er nämlich gar nicht anbieten, denn die Ernährungsberatung ist in Österreich für die einzelnen Berufsgruppen gesetzlich geregelt:

  • Der medizinische Bereich ist Ärzten und Diätologen vorbehalten. Nur diese dürfen kranke und krankheitsverdächtige Personen behandeln.
  • Die nicht-medizinische individuelle Ernährungsberatung steht auch Ernährungswissenschaftern offen. Diese haben Ernährungswissenschaften studiert und dürfen ausschließlich gesunde Menschen beraten. Der entsprechende Gewerbeschein lautet auf “Lebens- und Sozialberatung, eingeschränkt auf Ernährungsberatung”.
  • Auch Energethiker bieten häufig Ernährungsberatung an. Dies ist nur dann zulässig, wenn es sich nicht um eine individuelle Beratung bei persönlichen Ernährungsproblemen handelt, sondern um eine allgemeine Vermittlung von Kenntnissen oder einfache Tätigkeiten wie Kochkurse und Kalorienzählen.

Bullshit-Detektor

Auf der Website von Markus Stark macht sich seine fehlende medizinisch-wissenschaftliche Qualifikation schnell bemerkbar, der Bullshit-Detektor schlägt recht schnell an. Er preist die fragwürdige Steinzeitdiät als natürlichste Form der Ernährung an und macht Werbung für Entgiftungskuren, die aufgrund des modernen Lebens, Elektrosmog und degenerierten Lebensmitteln nötig wären. Er spricht vom Leaky-Gut-Syndrom und macht Getreide und Milch für eine Vielzahl von Krankheiten verantwortlich. In seinen Literaturverweisen verlinkt er auf den Kopp-Verlag und die Deutschen Wirtschafts Nachrichten, um Wissenschafts- und Pharma-Bashing zu betreiben.

Klinische Psycho-Neuro-Immunologie

Der Begriff klingt zwar wissenschaftlich, ist es aber ganz und gar nicht. Im Rahmen der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI) wird die wissenschaftlich unhaltbare Hypothese verbreitet, dass sämtliche chronischen Beschwerden des Menschen ursächlich auf Entzündungsprozesse zurückgingen, bei denen käuflich zu erwerbende Nahrungsergänzungsmittel helfen sollen. Verwechslungsgefahr besteht mit der Psychoneuroimmunologie, die es tatsächlich als wissenschaftliches Fachgebiet gibt. Das kleine Wörtchen „klinische“ macht den Unterschied. Die kPNI wird von der Natura Foundation verbreitet, die Lobbyismus für orthomolekulare Nahrungsergänzungsmittel betreibt und Ausbildungen in kPNI organisiert. Inhaber der Natura Foundation ist das Unternehmen Bonusan B.V., ein niederländischer Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Natura Foundation bietet in Deutschland über die Deutsche Gesellschaft für kPNI e.V. und in Österreich über die Österreichische Gesellschaft für kPNI Ausbildungen zum Therapeuten in kPNI an. Markus Stark wird in diesen beiden Vereinen übrigens als „wissenschaftlicher“ Beirat bzw. Obmann-Stellvertreter geführt.

Die Natura Foundation hat es auch geschafft, an der spanischen Universität Girona und an der Universität Graz ein Masterprogramm für klinische Psycho-Neuro-Immunologie unterzubringen, das mittlerweile jedoch wieder eingestellt wurde (siehe die Meldungen der Natura Foundation und kPNI e.V.). Einen Master mit ähnlichem Renommée kennen wir bereits: den Master of Science in Homöopathie. Leider versuchen Anbieter alternativer Heilverfahren immer wieder, Studiengänge an Hochschulen zu bringen um ihnen einen akademischen Anstrich zu verleihen, auch wenn diese wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht werden. Die Universität Graz bietet etwa unter der Marke UNI for LIFE berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungsprogramme mit universitärem Abschluss. Dabei wird „hohe berufliche Verwertbarkeit garantiert. Aktuelle Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und Trends aus Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft fließen stetig in unsere Programme ein.“ Wir können also sagen: Markus Stark hat einen Master eines niederländischen Anbieters von Nahrungsergänzungsmitteln erworben. Gratulation dazu!

Auch die Bezeichnung Dozent erscheint nun in einem anderen Licht. Er unterrichtet nicht etwa an einer Hochschule oder gar an einer medizinischen Fakultät, sondern gehört einfach dem privaten Dozententeam der Natura Foundation an. Besondere medizinische und ernährungswissenschaftliche Qualifikationen sind dafür anscheinend nicht erforderlich: Die meisten Dozenten sind Physiotherapeuten, Heilpraktiker oder Sportwissenschaftler. Und natürlich Therapeuten für klinische Psycho-Neuro-Immunologie.

Dr. Stark GmbH

Wer denkt, dass Vorträge halten, Bücher schreiben und Humanenergetik die einzigen Betätigungsfelder von Markus Stark sind, der unterschätzt den Unternehmergeist dieses Mannes. Unter der „Dr. Stark GmbH“ führt er mehrere Gewerbeberechtigungen:

  • Durchführung von Veranstaltungen
  • Handel mit Lebensmitteln
  • Frühstückspension
  • Humanenergetiker
  • sportwissenschaftliche Beratung

Für seine Vorträge besitzt er praktischerweise ein eigenes Seminarhotel namens Evosan, das Zentrum für evolutionäre Gesundheit. Dort bietet Markus Stark etwa ein kPNI-Seminar um 498,- Euro oder eine Steinzeit-Entgiftungswoche um 798,- Euro an. Zu dieser „Investition“ kommt noch die Unterbringung um 90,- Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer bzw. 55,- in Einzelbelegung. Unter der Marke Naturesan bietet er weiters ein Konzept für Nahrungsergänzungsmittel an. Man kann auch selbst als Partner aktiv werden und diese Mittelchen vertreiben, passend dazu wird der Naturesan-Praktiker um wohlfeile 798,- offeriert. Von wem die Dr. Stark GmbH diese Mittel bezieht, können Sie sich wahrscheinlich denken: von der niederländischen Firma Bonusan, der Inhaberin der Natura Foundation.

TL;DR

Unter dem Vorwand eines Gesundheitsvortrages versucht ein Energetiker gesundheitsbewusste Menschen davon zu überzeugen, dass sie an versteckten Entzündungen leiden würden, die sie nur durch den Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln heilen könnten. Klinische Psycho-Neuro-Immunologie ist keine Wissenschaft, sondern wird von einem niederländischen Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln propagiert und in teuren Seminaren verbreitet.

Bioresonanz in der Ernährungsberatung

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind derzeit ein großes Thema. Auch wenn es nur wenige Menschen tatsächlich betrifft, halten sich viele Menschen für laktoseintolerant oder ernähren sich glutenfrei. Für die Lebensmittelindustrie sind solche Produkte ein gutes Geschäft, wie in der Sendung Quarks & Co gezeigt wurde.

Ein Grund für die vielen Fehldiagnosen ist bei Heilpraktikern und Energethikern zu suchen, die ihren Kunden mit pseudomedizinischen Diagnoseverfahren Intoleranzen aufschwatzen – und dann mit einer passenden Pseudotherapie gleich doppelt verdienen.

Ein beliebtes Verfahren ist die Bioresonanz. Der Patient nimmt zwei Elektroden in die Hand, über die Körperschwingungen an ein Gerät übertragen werden, das pathologische Schwingungen in gute Schwingungen umpolen soll. Auf diese Weise könnten Krankheiten geheilt werden, meinen die Befürworter. Das Problem: Bei dem Gerät handelt es sich mehr oder weniger um eine Attrappe. Die Wirksamkeitsversprechen halten einer Überprüfung nicht stand. Eine zuverlässige Diagnose ist nicht möglich, es werden reine Zufallstreffer erzielt.

Die fehlende Wirksamkeit ist kein Hindernis, dieses Verfahren wird gerne in der Ernährungsberatung angewendet und fürstlich entlohnt. Doch man findet auch Ernährungsinstitute, die kritisch dazu Stellung nehmen und Bioresonanz ablehnen. Physiker und Science Buster Heinz Oberhummer meint in der ZIB 2: „Wer daran glaubt, ist ein Fall für die Psychotherapie und wer damit Geld verdient, ist ein Fall für den Staatsanwalt.“

(ZIB 2 vom 25.04.2013, 22 Uhr)

Ist rechtlich alles in Ordnung?

In Österreich kann Ernährungsberatung von verschiedenen Berufsgruppen angeboten werden:

  • Der medizinische Bereich ist Ärzten und Diätologen vorbehalten. Nur diese dürfen kranke und krankheitsverdächtige Personen behandeln.
  • Die nicht-medizinische individuelle Ernährungsberatung steht auch Ernährungswissenschaftern offen. Diese haben Ernährungswissenschaften studiert und dürfen ausschließlich gesunde Menschen beraten. Der entsprechende Gewerbeschein lautet auf „Lebens- und Sozialberatung, eingeschränkt auf Ernährungsberatung“.
  • Auch Energethiker bieten häufig Ernährungsberatung an. (Diese müssen keinerlei Ausbildung vorweisen, es handelt sich um das „freie Gewerbe der Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit“.) Dies ist nur dann zulässig, wenn es sich nicht um eine individuelle Beratung bei persönlichen Ernährungsproblemen handelt, sondern um eine allgemeine Vermittlung von Kenntnissen oder einfache Tätigkeiten wie Kochkurse und Kalorienzählen. Energethiker verwenden gerne den gesetzlich nicht geregelten Begriff „Coaching“ dafür.

Auch wenn die Kompetenzen und erforderlichen Qualifikationen klar geregelt sind, kommt es immer wieder zu einer Überschreitung der Befugnisse, etwa wenn Energethiker mit der Heilung von Krankheiten durch individuelle Ernährungstherapie werben.

Man findet auch zahlreiche Ernährungswissenschafter, die zusätzlich zur Ernährungsberatung das freie Energethiker-Gewerbe angemeldet haben und damit Bioresonanz anbieten. Das sehe ich problematisch, da der Bioresonanz dadurch ein wissenschaftlicher Anstrich verliehen wird. (Diätologen dürfen das nicht, sie müssten mit Konsequenzen rechnen.)

Brief an den VEOE

Ich habe daher an den Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs einen Brief geschrieben, um auf das Problem der Vermischung von Ernährungswissenschaft und Humanenergetik hinzuweisen, und nachgefragt, wie der Verband zu solchen Praktiken steht:

Sehr geehrte Damen und Herren!

ErnährungswissenschafterInnen gelten als ExpertInnen in Ernährungsfragen. Wir ich nun leider feststellen musste, werden sie ihrem wissenschaftlichen Anspruch aber nicht immer gerecht.

Eine Bekannte erzählte mir von Lebensmittelverträglichkeiten, die sich bei ihrer Familie und ihren Freundinnen ausbreiten würden. Diese seien alle professionell von einer Ernährungswissenschafterin ausgetestet worden, und zwar mit Bioresonanz (einem bekanntermaßen pseudowissenschaftlichen Verfahren). Bei ihr sei beispielsweise eine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert worden – ein rotes Lämpchen habe das angezeigt. Sie habe mehrere 100 Euro dafür und für weitere Detox-Behandlungen zur Ausleitung von Schadstoffen bezahlt.

Die betreffende Ernährungswissenschafterin hat sowohl das Gewerbe der Lebens- und Sozialberater (eingeschränkt auf Ernährungsberatung) als auch das Energetiker-Gewerbe angemeldet.

Das Ernährungsberatung-Gewerbe befähigt zur Beratung von gesunden Menschen. Als Energetiker darf man Wohlfühl-Behandlungen ohne belegte Wirksamkeit ebenfalls nur als Hilfestellung an Gesunden durchführen.

Angeboten wird von betreffender Ernährungswissenschafterin ein Gesamtpaket von Bioresonanzanalyse und Ernährungsberatung entsprechend den diagnostizierten Unverträglichkeiten. Dazu erlaube ich mir, folgende Fragen an Ihren Verband zu stellen:

Die medizinische Beratung in Ernährungsfragen ist DiätologInnen vorbehalten. Überschreitet die Ernährungswissenschafterin mit der Diagnose und Therapie von Lebensmittelunverträglichkeiten ihre Kompetenzen?

Die Anwendung der Bioresonanz ist zwar durch das Energetiker-Gewerbe gedeckt, jedoch nicht in der Lage, Lebensmittelunverträglichkeiten festzustellen. Somit werden ohnehin nur Schein-Erkrankungen therapiert. Sehen Sie ein Problem in der Vermischung von wissenschaftlicher mit pseudowissenschaftlicher Praxis und finden Sie, dass dies dem Ansehen Ihres Berufsstandes schadet?

Da ernährungswissenschaftliche Beratung und Wohlfühlbehandlungen gemeinsam angewendet werden, fällt es Laien schwer, unwirksame Methoden als solche zu erkennen. Unter dem Deckmäntelchen der Ernährungswissenschaft werden Bioresonanz und andere Scheinverfahren teuer angeboten.  Billigt Ihr Verband solche Praktiken, oder spricht er sich dagegen aus und geht auch dagegen vor?

Einige Wochen später konnte ich dann sehen, was der Verband erwirkt hat. Auf der Website der betreffenden Ernährungswissenschafterin findet man nun einen rechtlichen Hinweis:

Die Bioresonanz und energetische Behandlungen im Allgemeinen sind keine Arbeitsmethoden im Sinne der empirischen Naturwissenschaften, daher von der Wissenschaft nicht anerkannt. Es handelt sich bei den von mir angebotenen Behandlungen nicht um medizinische Therapien. Daher stellen sie keinen Ersatz für ärztliche Diagnose und Therapie dar. Bitte wenden Sie sich für die Erstellung einer Diagnose und für Therapie an Ihren Arzt.

Die Begriffe Heilung, Bioresonanztherapie, Therapie und Behandlung werden auf dieser Webseite ausschließlich im energetischen Sinn verwendet. Ich bin Ernährungberaterin und Energetikerin und biete daher Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit mittels Bioresonanz, Ernährungsberatung und Mykotherapie (Heilen mit Pilzen) an.

Dass diese Angaben in krassem Widerspruch zu den restlichen Informationen stehen, wird wohl nur die wenigsten Kunden stören. Doch dieser Hinweis reicht als Freibrief, um als studierter Ernährungswissenschafter schamlos Bullshit verbreiten und verkaufen zu können.

Mit Gesundheitstextilien blöd aus der Wäsche schauen

Textilien aus einer speziellen Faser versprechen gesundheitsfördernde Wirkungen, Steigerung des Wohlbefindens und verbesserte sportliche Leistung. Ich habe mir angesehen, wie solche Produkte funktionieren sollen und ob sie halten, was sie versprechen.

Erster Eindruck

Ich bin mit solchen Produkten über Paljari, eine italienische Multi-Level-Marketing-Firma, in Kontakt gekommen. Typisch für solche Vertriebsformen ist der überteuerte Verkauf von umstrittenen Produkten, die sich ohne die persönliche Überredung nur schwer verkaufen ließen. Dieser Strukturvertrieb bietet neben Gesundheitstextilien auch Nahrungsergänzungsmittel in Form von Vitalpilzen an. Aus der Paljari-Hochglanzbroschüre lächelt ein italienischer Doktor der Alternativmedizin, und es wird die Heilung einer Vielzahl an unterschiedlichen Erkrankungen versprochen. Das alles macht auf den ersten Blick mal keinen seriösen Eindruck.

Gesundheitsversprechen

Auf der Website der Firma Paljari findet man einen Werbetext, der sich in derselben Form auch auf den Seiten von selbstständigen Verkäufern findet. Dort wird erklärt, dass die sogenannte Nexus-Faser in den 1980er-Jahren von einem japanischen Forscher für die Weltraumforschung entwickelt wurde. Später sei ihre gesundheitsfördernde Wirkung erkannt worden, für die spezielle Infrarotwellen verantwortlich sein sollen:

  • Stärkung der Immunabwehr
  • erhöhte Sauerstoffzufuhr
  • entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung
  • bakterienhemmende Wirkung
  • Tiefenwärme erhöht den Stoffwechsel

Auch eine Palette reich an Anwendungsgebieten wird angegeben:

  • Rückenschmerzen, Ischias und Schmerzen im Bewegungsapparat
  • Muskel- und Gelenksschmerzen und zur Schmerzlinderung
  • zum Entschlacken und Entgiften, begleitend zu Fastenkuren
  • zum Aufwärmen vor dem Sport und zum Regenieren nach dem Sport
  • zum Wohlfühlen und Entspannen
  • Arthritis, Rheuma und Gicht
  • Grippe, Erkältung und chronische Bronchitis
  • Darmbeschwerden
  • Ekzeme, Akne und Neurodermitis
  • Herz- und Gefäßerkrankungen
  • Hals-, Nasen- und Ohrenbeschwerden
  • Durchblutungsstörungen und schwaches Immunsystem
  • Zur Vorbereitung therapeutischer Maßnahmen wie zum Beispiel Massagen

Angeblicher Wirkmechanismus

Erklärt wird das alles durch spezielle Infrarotwellen im Wellenlängenbereich von 4-14 Mikrometer (Bio-Infrarot, Ferninfrarot, FIR, far infrared radiation, biogenetic rays). Die Nexus-Faser strahle kontinuierlich natürliches Infrarot ab, das in Resonanz zu Wassermolekülen trete, behauptet ein Anbieter.

Als Ferninfrarot-Therapie werden in der Alternativmedizin Wärmebehandlungen mit pseudowissenschaftlicher Argumentation beworben. Es handelt sich um eine herkömmliche Wärmebehandlung mit Wärmestrahlern. Von einer Tiefenwärme kann man nicht sprechen – Wärmestrahlung im genannten Wellenlängenbereich tritt weniger als 1 Millimeter in die Haut ein.

Doch woher stammt überhaupt die Energie für diese Strahlung? Die Nexus-Faser wird zwar als „Nexus Energy Source“ bezeichnet, aber um ein Perpetuum Mobile wird es sich wohl nicht handeln. Die Kleidung muss nicht vorgewärmt werden, und die Umgebungstemperatur ist üblicherweise niedriger als die Körpertemperatur. Eine plausible Erklärung wäre, dass die Energie von der Wärmestrahlung der Person stammt, die die Kleidung trägt.

Beispiel Rettungsdecke

Eine Rettungsdecke wird in der Ersten Hilfe verwendet, um Patienten vor Unterkühlung zu schützen. Diese besteht aus einer wasserdichten PET-Folie und einer reflektierenden Aluminiumschicht. Der Erhalt der Körperwärme beruht nicht auf Isolierung, sondern basiert auf Minderung des Wärmetransports durch

  • Reflexion der Wärmestrahlung
  • luftdichtes Abschließen (reduziert den Wärmeverlust durch Wind und Aufsteigen warmer Luft durch Konvektion)
  • Wasserdampfsperre (reduziert Wärmeverlust durch Verdunstung)

Bei hohen Außentemperaturen kann man damit auch eine Person vor Überhitzung schützen, indem man die Sonnenstrahlung abschirmt. (Der Unterschied zwischen der silberfarbenen und goldfarbenen Seite ist dabei übrigens vernachlässigbar.) Für eine Reflexion der Wärmestrahlung eignen sich besonders metallische, hochglanzpolierte, glatte Oberflächen.

Wärmende Kleidung

Kleidung wärmt uns normalerweise durch Isolierung. Luftige Kleidung, aber auch Federn und Haare speichern viel Luft, die als Isolierung dient. Für den Outdoor-Bereich gibt es aber auch Funktionskleidung, die nach dem Prinzip der Rettungsdecke funktioniert und eine dünne Aluminiumfolie eingearbeitet hat. Vor kurzem konnte ein Forscherteam zeigen, dass Kleidungsstoffe mit Nanodrähten Körperwärme effizient speichern können. Hier reflektiert ein dichtes Netzwerk aus Silbernanofasern die Körperwärme. (Dank der Leitfähigkeit könnte man sogar eine Stromquelle anschließen und so das Kleidungsstück aufheizen.) Ist das auch bei Nexus der Fall?

Aufbau des Nexus-Gewebes

Das Nexus-Gewebe besteht aus reiner Baumwolle, in das lediglich ultrafeine Partikel der Metalle Platin, Titan und Aluminium eingearbeitet wurden. Das Gewebe ist sehr porös und mit einem dichten Nanonetzwerk auf keinen Fall vergleichbar. Effekte durch Reflexion, Luft- und Dampfsperre fallen beim dargestellten Aufbau wohl sehr bescheiden aus. Beruht die angebliche Wirkung doch nur auf Wärmeerhalt durch simple Isolierung, wie bei normaler Kleidung?

Wissenschaftliche Studien

Der Hersteller wirbt auf seiner Website nicht nur mit Testimonials sondern auch mit Studien zu den Anwendungen in Sport und Medizin, der Sicherheit sowie zur antibakteriellen Eigenschaft, geizt aber mit genaueren Informationen zum Versuchsaufbau. Dass man mit schlechtem Studiendesign und geringen Probandenzahlen leicht zum gewünschten Ergebnis kommt, ist nichts Neues. Die medizinischen Studien werden sogar als „preliminary studies“, also Vorstudien ausgewiesen. Ein Vorher-Nachher-Vergleich der Körpertemperatur (keine Kleidung vs. Nexus-Kleidung) zeigt eindrucksvoll, dass Kleidung wärmt.

Wärmerückführung bei Wund(er)pflastern

Auf Medizin-transparent.at, einem Projekt von Cochrane Österreich, wird in einem aktuellen Artikel die Evidenz zu speziellen Pflastern untersucht, die mit einer langen Liste an Versprechungen und Erfahrungsberichten beworben werden. Behauptet wird, ähnlich wie bei den hier behandelten Gesundheitstextilien, dass das Element Germanium für eine besondere Art der Rückführung der Wärme an den Körper sorgt. Das Team von Cochrane Österreich konnte für den Nutzen des am Pflaster aufgebrachten Halbmetalls Germanium keine stichhaltigen Belege finden und kommt zum Schluss:

Dass es am Pflaster Wärme an den Körper zurück gibt und damit die Durchblutung verbessert, ist ebenfalls nur eine Behauptung. Zwar zeigt der Hersteller Vorher/Nachher-Bilder mit einer Wärmekamera, doch ohne eine genaue Dokumentation und Kontrolle durch Außenstehende ist das völlig wertlos.

Wasserbelebung

Anscheinend werden hier banale Kleidungsstücke mit pseudowissenschaftlicher Argumentation und übertriebenen gesundheitlichen Versprechen vermarktet. Die Hersteller gehen sogar noch weiter und behaupten, dass man mit Nexus Wasser beleben kann! Unter einer eigenen Marke wird ein Flaschenbezug angeboten, der belebend wirken soll. Dabei wird auf den Biologen Roger Coghill verwiesen, der von Ben Goldacre bereits als Pseudowissenschafter überführt wurde.

Ähnliches Produkt: Celliant

Ein ähnliches Produkt wird unter dem Namen Celliant oder Holofiber vertrieben. Dieses besteht aus PET-Fasern mit optisch aktiven Partikeln, die mit vom Körper ausgesendeten Infrarot interagieren. Das Gewebe wird bei uns in Form von Matratzen und Bettzeug verkauft und soll dem Körper im Schlaf Energie zurückgeben. Als Energiespender sollen unter anderem Naturmineralien wie Titan, Silizium und Aluminium fungieren. Auch diese Produkte sollen ihre Wirkung durch Reflexion von Infrarotstrahlung des Körpers entfalten. So direkt wird das natürlich nicht gesagt, sondern mit wissenschaftlich klingenden Ausdrücken ausgeschmückt und umschrieben (thermoreaktive Mineralien, ein vom Stoffwechsel angetriebener Hybridmotor, eine effektive erneuerbare Energiequelle). Auch Vorgänge im Körper, die einfach nur mit Wärme zu tun haben, werden mit dem Produkt in Verbindung gebracht. Es wird einem die eigene Körperwärmestrahlung verkauft! In Österreich sind Celliant-Produkte bei Partys der Firma RudH erhältlich, die auch ein Gerät zur wirkungslosen Magnetfeldtherapie im Programm hat.

Celliant/Holofiber wurde bereits im Skeptics Dictionary Newsletter als „Scam of the minute“ gewürdigt, nämlich für die Behauptung:

Holofiber® material modifies the spectrum of visible and invisible light, interacting with certain wavelengths, and altering them into energy. When Holofiber® is worn as clothing, or placed near a person (in a bed sheet or pillowcase) it transmits the altered energy to the body. This energy sent to the body by Holofiber® helps the body’s cells to be better oxygenated. Good for diabetics and people with skin problems.

Auch ein Artikel in der New York Times beschäftigt sich mit der Holofiber-Technologie und meint, dass es fast zu gut klingt, um wahr zu sein. Man wundert sich, warum Kleidung, die gut für Sportler und Diabetes-Patienten sein sollen, solche Ladenhüter bleiben, obwohl sie seit Jahren am Markt sind. Ein Grund könnte der hohe Preis sein, weshalb höchstens Hersteller im hochpreisigen Segment Holofiber in ihre Produkte einbauen würden. Beim Marketing weiß man nicht so recht, ob man es in erster Linie an Sportler oder Diabetes-Patienten vermarkten soll. Die American Diabetes Association, der oft vielversprechende Produkte vorgestellt werden, ist nicht überzeugt und auch der Autor einer medizinischen Pilotstudie gibt zu, dass er nicht weiß, wie das Produkt wirken soll. Sportler wären zwar leichter zu überzeugen, doch der Weg vom Sportmarkt in den medizinischen Markt ist schwieriger als andersrum. Der Erfinder bleibt dennoch optimistisch: Auch er wollte anfangs nicht glauben, dass mit einer Akupunkturbehandlung an der Hand sein Augenleiden geheilt werden konnte. Aber schlussendlich sei Akupunktur heute akzeptiert – und er ist überzeugt, dass es bei Holofiber auch so sein wird.

Ein weiteres Produkt namens FIR-TEX wirbt mit demselben pseudowissenschaftlichen Bullshit.

Beutelschneider auf der Gesundheitsmesse

Derzeit findet die Frühling Vital Messe in Wr. Neustadt statt, eine Messe für Ernährung, Gesundheit und Bewegung mit den Spezialthemen „outdoor & GenussReich“. Neben kulinarischen Angeboten, Kochvorführungen, Fitness, Wellness und Körperpflege gibt es auch zahlreiche alternativmedizinische Angebote. Ich habe mit meinem skeptischen Auge einen Blick auf die Veranstaltung geworfen, die ja auf den ersten Blick ganz seriös daherkommt.

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Auf dem Gesundheitsmarkt tummeln sich ja viele Anbieter pseudowissenschaftlicher Produkte und Methoden, daher wundert mich deren Präsenz auf dieser Messe auch gar nicht. In einer kleineren Halle gibt es Vorträge zu den Themen

  • Wie Engel zu uns sprechen – Heilung von Körper Geist und Seele in einer neuen Zeit
  • Haben Sie schon einmal gelebt? – Rückführungen in frühere Leben
  • Handlesen leicht und verständlich erklärt

Gut, diese Halle ist mit „Esoterik“ ausgeschildert. Da weiß man gleich, woran man ist. Doch anscheinend war die Esoterik-Halle zu klein, denn auch das restliche Programm in der Haupthalle ist mit einer breiten Palette an pseudowissenschaftlichen Angeboten durchdrungen, sodass die Messehalle einem „Psiram-Lexikon zum Anfassen“ gleicht. Unter dem Label der Gesundheit werden viele esoterische Produkte und Methoden vertrieben, ohne dass die gesundheitsbewusste Kundschaft ahnt, wie weit diese von einer wirksamen medizinischen Therapie entfernt sind. Begleiten Sie mich auf meinem Streifzug durch die bunte Welt der Beutelschneiderei!

Alternative Heilmethoden

Energetiker sind auf der Messe stark vertreten, es gibt sogar „Humanenergetik für Mensch und Tier“. Energiearbeit bieten auch Schamanen mit ihren Kraftzeremonien und Heilritualen. Mit der unwissenschaftlichen Irisdiagnostik wollen Heilpraktiker Erkrankungen des menschlichen Körpers am Auge ablesen. Cranio-Sakral-Therapie, Kinesiologie sowie Quantenheilung dürfen ebenfalls nicht fehlen. Auch mit Bachblüten werden einem die Selbstheilungskräfte aktiviert.

In einem Vortrag zum Thema Rückenschmerz bietet ein Sakralenergetiker seine Dienste an. Heilungssuchende bekommen eine Kristallbett-Session verschrieben. Dabei werden sieben Kristallspitzen auf die Hauptchakren ausgerichtet und mit Farblicht bestrahlt.

Natürlich ist auch die Traditionelle Chinesische Medizin mit ihrer Meridianlehre ein Thema. Auf diesem widerlegten Konzept basieren auch angebotene Praktiken wie Quigong, Akupunktur oder das Body Talk System.

Nahrungsergänzungsmittel

Zahlreiche Firmen mit der umstrittenen Vertriebsform Multi-Level-Marketing sind mit einem Stand vertreten. Eine Vemma-Geschäftspartnerin präsentiert in einem Vortrag ihre Produkte als „Zell- und Gehirnnahrung“. Energydrinks mit zugesetzten Vitaminen sollen die Gesundheit verbessern und die Verkäufer reich machen. Herbalife vertreibt überteuerte Nahrungsergänzungsmittel. Auch Aloe-Vera-Produkte werden über MLM vertrieben. Weiters gibt es Heilpilze, Aronia-Beeren und viele weitere pflanzliche Arzneien wie Ginseng ohne entsprechende Wirksamkeitsbelege.

Ernährungsberatung

Auf dem Gebiet der Ernährungsberatung tummeln sich leider auch unseriöse Anbieter, die uns Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufschwatzen wollen. Ein angebotener Test entpuppt sich als Farce: Bei einer Austestung mittels Bioresonanz können höchstens Zufallstreffer erzielt werden.

Wasseraufbereitung

Wasservitalisierer betonen die Wichtigkeit von „zellgängigem“ Wasser und wollen unser Trinkwasser in gesundes Wasser verwandeln. Angeboten wird basisches Wasser gegen Übersäuerung sowie belebtes Aktiv-Wasser – rechtsdrehend, versteht sich.

Schmuck

Gegen zahlreiche Leiden werden Magnetschmuck und Heilsteine angeboten, die die Gesundheit positiv beeinflussen sollen. Auch Pflaster in Form von Wellness-Patches (etwa für Schlankheit) oder Detox-Patches für Entgiftung versprechen Unglaubliches.

Eine Produktneuheit ist der Schnarchring. Ein Ring stimuliert in der Nacht Akupressur-Punkte am kleinen Finger. Von dort verlaufen nämlich Meridiane direkt in die Nase und sorgen so für ungestörten Schlaf. Die Wissenschaft erkennt das zwar nicht an, aber zufriedene Testimonials wissen es ohnehin besser.

Mein Fazit

Die Gesundheitsmesse „Frühling Vital“ steht einer „richtigen“ Esoterikmesse, etwa der Lebenskraft-Messe in Zürich, von der die Schweizer Skeptiker ausführlich berichten, um nichts nach.