Kryolipolyse: eiskalt erwischt

Schnell abnehmen, mit möglichst wenig Anstrengung und ohne sich beim Essen einschränken zu müssen, danach sehnen sich viele. Diesem Wunsch kommen viele Anbieter nach und versprechen sensationelle Erfolge bei der Gewichtsreduktion und Behandlung von Problemzonen. Kryolipolyse heißt eine neue Schlankheitskur, die Speckröllchen durch eine Kältebehandlung wegzuzaubern soll. Eine Google-Suche kommt auf 174.000 Treffer für diesen Suchbegriff.

Warum kompliziert wenn’s einfach auch geht? Statt Hüftgold und Bauchfett mittels anstrengender Fitnessübungen und gesunder Ernährung zu Leibe zu rücken, soll eine einfache Kältebehandlung dem Körper ästhetischere Formen verleihen. „Cryolipolyse“ – also Fettauflösung durch Kälte – nennen das kommerzielle Anbieter dieser Methode.

Durch die nicht-invasive Kältebehandlung werden die kälteempfindlichen Fettzellen geschädigt und im Laufe eines Entzündungsprozesses abgebaut. Nach 4 Monaten soll sich das Behandlungsergebnis zeigen. Die Behandlung erfolgt zwar nicht-invasiv, dennoch können Nebenwirkungen wie Schmerzen, Rötungen und Taubheitsgefühle auftreten. Die abgestorbenen Fettzellen können Leber- und Blutfettwerte ungünstig beeinflussen.

Medizin-Transparent hat die Wirksamkeit dieser Methode unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass die veröffentlichten Studien äußerst mangelhaft sind und keine Aussage zulassen, ob Cryolipolyse eine merkbare Körperfettreduktion bewirkt. Kritisiert wird, dass die Behandlung nicht mit einer Kontrollgruppe verglichen wurde. Die Autoren dreier Studien haben nur Vorher-Nachher-Vergleiche anhand von Fotos oder Bestimmung der Dicke der Fettschicht durchgeführt. Das ist problematisch, da sich so nicht feststellen lässt, ob die Effekte durch die Kältebehandlung oder (auch) durch Ernährungsumstellung und Sport eingetreten sind.

Die Kleine Zeitung wagte einen Selbstversuch in einem Schönheitsstudio. Diese Behandlung baute auf drei Säulen auf: Kältebehandlung, Ernährungsumstellung und Bewegung. Auch hier kommt man trotz reduziertem Bauchumfang zum Schluss:

Wie groß der Anteil der jeweiligen Komponenten ist, lässt sich nur erahnen.

Mit Inseraten einer Studiokette wird derzeit in Regionalmedien für eine „Bundesweite Studie: Fett wegfrieren“ geworben, welche „dauerhaftes Fatburning mit Lipo-Freezer“, eine Marktneuheit, untersuchen will. Neben der Kältebehandlung steht hier ebenfalls körperliche Bewegung und ein Ernährungsleitfaden am Programm, sodass diese Werbeaktion eher dem Marketing als dem Wissenszuwachs dient.

Die Studien scheinen zwar die Wirksamkeit der Kryolipolyse zu bestätigen, doch auch die Autoren geben zu, dass sie am besten bei schlanken Personen mit geringen lokalen Problemstellen wirkt. Übergewichtige Personen wurden aus den Studien von vornherein ausgeschlossen.

In der Studie von Coleman et al. zeigte sich, dass manche Probanden trotz einer Verringerung der Fettschicht insgesamt an Körpergewicht zulegten, wie im Blog Verbatio kommentiert wurde. Eine Reduktion der Fettpölster ist zwar mit gutem Auge sichtbar, fällt aber sehr bescheiden aus.

before-and-after

Vorher-Nachher-Vergleich (4 Monate) aus der Studie von Coleman et at.

Bei einer Behandlung ist mit Gesamtkosten von etwa 3.000 € zu rechnen. Wer dieses Kleingeld nicht hat, ist mit Sport und gesunder Ernährung vermutlich besser beraten und wird damit ohnehin größere Erfolge erzielen. Kryolipolyse ist leider keine Wunderkur für überschüssiges Fett, die erzielten Effekte sind sehr bescheiden. Um Speckröllchen loszuwerden, führt an einer verbesserten Energiebilanz mit gesunder Ernährung und körperlicher Betätigung wohl kein Weg vorbei.

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