Skeptiker-Lyrik

In diesem Beitrag sammle ich witzige Gedichte rund um Skeptiker-Themen. Den Anfang machen Homöopathie und Astrologie. Für weitere Zusendungen und Hinweise wäre ich sehr dankbar!

Eugen Roth (Quelle)

Es lehrt uns Hahnemann, er habe
die größte Wirkung kleinster Gabe.
Und mancher Arzt hält das für wahr,
wenns nicht betrifft sein Honorar

Eugen Roth: Der Wunderdoktor (Quelle)

Berühmt zu werden, liegt an dem:
Du musst begründen ein System !
Such was Verrücktes und erkläre,
dass alles Heil im Kuhmist wäre,
dem, auf die Wunde warm gestrichen,
noch jede Krankheit sei gewichen
und den, nachweislich, die Azteken
geführt in ihren Apotheken …
Hält man dich auch für einen Narren,
du musst nur eisern drauf beharren,
dann fangen immer einige an,
zu glauben, es sei doch was dran,
und du gewinnst dir viele Jünger,
die deine Losung:“Kraft durch Dünger!“
streng wissenschaftlich unterbauen
und weiterkünden voll Vertrauen.

Eugen Roth: Homöopathie (Quelle)

Leicht läßt Gesundung sich erreichen,
Wenn einer Gleiches heilt mit Gleichem.
Zu der Behandlung braucht man nur
Zwei Dutzend Fläschen, eine Uhr
Und die Geduld, daß man bestimmt
In jeder Stund‘ drei Tropfen nimmt.

Christian Schomers (Quelle):

Ein Freund gab mir den gut gemeinten Rat: „Mensch, geh doch mal zum Homöopath.
Der nimmt sich reichlich Zeit, um dein Befinden in allen Einzelheiten zu ergründen.
Er lässt die Finger weg von der Chemie. Er gibt dir kleine Globuli
mit einem Stoff, der ist so dünn, da ist schon gar kein Stoff mehr drin.
Zur Medizin wird ihm das Gift, wenn er das rechte Mittel trifft.
Das Gleiche heilt er mit dem Gleichen, da muss die schlimmste Krankheit weichen.
Es bleibt der Mensch für immer jung – falls nicht, nennt man das Erstverschlimmerung.
Die Kügelchen, daran ist nicht zu rütteln, sind heilsam, und das kommt vom Schütteln,
vom Potenzieren, wie das heißt. Da wird Materie zu Geist.“
Es werde selig, wer das glaubt. Ich schüttle lieber stumm mein Haupt
und möchte dieses Potenzieren noch eine Stufe weiter führen:
lst es der Geist, dann wirkt das Zeug bestimmt am allerbesten, wenn man‘s gar nicht nimmt.”

Marabu: Der Homöopath (Quelle)

Ein Jünger Hahnemanns zur Kur, erwandert fröhlich Wald und Flur
Und spürt so um die Mittagszeit im Magen eine Übelkeit.
Getreulich nach des Meisters Lehren will er des Übels sich erwehren
Und sucht ein Kräutlein zu entdecken, geeignet Übelkeit zu wecken.
Das leistet fast ein jeder Strauch – ein Schlag im Unterleib tät’s auch –
sodaß der arme Wandersmann recht bald solch Kräutlein finden kann.
Er kaut, was er gefunden hat, und schluckt es runter Blatt für Blatt.
Der Test gelingt, das ist der Clou: die Übelkeit nimmt mächtig zu.
Der nächste Schritt, der Heilung schafft: Verdünnung bricht des Übels Macht.
Ein kleiner Bach, der nicht weit weg, hilft zu erfüllen diesen Zweck.
So trinkt denn unser Wandersmann soviel sein Bauch nur fassen kann.
Und kommt sodann zum schwersten Teil: Verschüttelung fehlt noch zum Heil.
Er rüttelt sich, er schüttelt sich und wirft sein Mäntlein hinter sich.
Und dass dies sicher helfen kann, macht er zuletzt den Hampelmann.
Der dritte Schritt der Prozedur ist eine einzige Tortur:
Erbrochen wird jetzt ganz präzise der Mageninhalt auf die Wiese.
Genau wie es sein Guru schreibt im Magen nur ein Zehntel bleibt.
Als Resultat der Rückwärtsesser fühlt sich ganz wie erwartet besser.
So lautet auch das Heilversprechen: Wird Trinken, Hüpfen und Erbrechen
Nur viele Male iteriert – Die Übelkeit die Kraft verliert.
Der Wandrer theoriegetrieben schafft es geduldig bis D7
Und liegt im Gras gesund und matt, weil Wasser ein Gedächtnis hat.
Schulmediziner könnten trotzen: Bei Übelkeit reicht einmal kotzen.
Doch gilt für jeden, der gerecht ein Urteil fällt: „Wer hilft, hat recht!“.
Besonders ist daran zu loben: Das kann ein jeder selbst erproben!
Aromen steigern sich beim Saft durch die Verdünnung sagenhaft.
Wenn das misslingt im ersten Schwung: Das ist die Erstverschlimmerung!
Wer dennoch an der These rüttelt, der hat im Zweifel falsch geschüttelt.

Christian Schomers (Quelle):

Entschuldigung, darf ich es wagen, nach Ihrem Sternzeichen zu fragen?
Ach, wissen Sie, ich glaub nicht an die Sterne. Doch wenn Sie raten wollen: gerne.
Das ist sehr freundlich. Nun, ich sage lhnen auf den Kopf zu: Waage!
Weil ich so höflich und harmonisch bin? Das mit der Waage haut nicht hin.
Das wundert mich. Ja, also dann sind Sie bestimmt ein Wassermann.
Anscheinend irren sich die Sterne. Ich gebe zu, ich schwimme gerne.
Man sieht, Sie nehmen es genau. Der Fall ist klar: Sie sind Jungfrau.
Auch diesmal leider nein. Bestimmt fällt Ihnen noch was ein.
Allmählich ahne ich es schon. Sie sind so intensiv: Skorpion!
Weil ich mit Gift aus meinem Stachel spritze?
Jetzt hab ich es: Sie sind ein Schütze.
Auch nicht. Kopf hoch, es sind ja nicht mehr viel.
Astrologie ist eben sehr subtil.
Es gibt, so sagt mir die Intuition,
bei Ihnen ein Merkur-Trigon –
und sicherlich Saturnquadrate.
Und wenn ich‘s lhnen jetzt verrate?
Ach, heute bin ich nicht gut drauf.
Es klappt sonst immer. lch geb auf.
Ich bin im Mai geboren, also Stier.
Ja, ja, ein Stier, das dacht ich mir.
Im Übrigen: Wer Horoskope kennt,
der weiß: entscheidend ist der Aszendent.

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