Schwarzes Gold

Das Trendgetränk blk (Kurzform für black) aus den USA versucht nun auch in Europa Fuß zu fassen. Heute und 20 Minuten berichteten über die geplante Markteinführung. Das Designerwasser hebt sich von der Konkurrenz durch die schwarze Farbe ab, ist aber dennoch geschmacksneutral. Beworben wird das Getränk, das 4,90 Euro pro halbem Liter kosten wird, mit vielen gesundheitlichen Versprechungen. So soll es dem Körper wichtige Elektrolyte zuführen und den pH-Wert im Blut regulieren, um einer Übersäuerung entgegenzuwirken. Dem ist entgegenzuhalten, dass es Elektrolyte auch im Leitungswasser gibt und Mineralstoffe ausreichend über die Nahrung aufgenommen werden. Das Konzept der Übersäuerung gehört ins Reich der Pseudowissenschaft, für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt sorgen körpereigene Regelmechanismen.

So schreibt etwa die Ärztin und Ernährungsspezialistin Christine Gerbstadt im Magazin «Self», dass Fulvinsäure für Menschen «nicht nötig» sei: «Die Zugabe dieser Säuren erhöht die Ernährungsvorteile des Wassers in keiner Weise». Die Genfer Ernährungsberaterin Maaike Kruseman sieht das genauso und fügt im «Le Matin» an: «Elektrolyte? Die gibt es auch im Leitungswasser.» Einzig die Ernährungsspezialistin Magali Volery kann dem Getränk in der Zeitung etwas Positives abgewinnen: «Wenn Süssgetränk-Liebhaber auf Wasser umsteigen – auch auf schwarzes –, dann ist das ein Fortschritt.»

Die schwarze Farbe kommt von den zugefügten Fulvosäuren (auch Fulvinsäuren, fulvic acid). Laut Hersteller sind diese „reich an Mineralien und lebensspendenden Nährstoffen“, und „entscheidend für das Wachstum allen pflanzlichen und tierischen Lebens“. Sie entstehen beim Abbau von organischem Material und sind somit Bestandteile des Humusbodens. Fulvosäuren werden gerne in der Alternativmedizin vermarktet, wissenschaftliche Belege für die behaupteten medizinischen Wirkungen gibt es freilich keine.

Bildquelle: feeldesain.com

Gesundheitliche Versprechen werden auch in Form von Anekdoten gemacht. So wird die Geschichte der Erfinder des Getränks erzählt, deren Mutter an Krebs erkrankt war. Auf der Suche nach einer alternativmedizinischen Behandlung gaben sie ihrer Mutter nach einer Chemotherapie Fulvosäure mit Wasser zu trinken. Sie fühlte sich besser und war bald genesen, sodass mit der Vermarktung des schwarzen Getränks begonnen werden konnte. Auf diese Weise wird das Getränk mit der Heilung von Krebs in Verbindung gebracht, auch wenn nicht direkt eine solche Behauptung aufgestellt wird.

Wer mehr wissen will, dem empfehle ich den ausführlichen englischsprachigen Artikel vom Committee for Skeptical Inquiry: Black(water) Market: Digging Up the Dirt about Slick Designer Beverages.

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