Punktgenaue Werbung

Jetzt in der Erkältungszeit finden wir wieder vermehrt Werbung für allerlei Produkte aus der Apotheke, die uns durch den Winter begleiten sollen. Vor zwei Jahren sorgte die Dr. Peithner KG mit ihrer Radiowerbung für Aufregung:

Achtung, bei der Anwendung von Homöopathie wurden punktgenaue und beeindruckende Wirkungen festgestellt und das bei unterschiedlichen Erkrankungen von Frauen, Männern und Kindern. Aber wir wollen auch die Nachteile aufzählen: [Stille]. Dr. Peithner KG. Homöopathie auf den Punkt gebracht.

Die „beeindruckenden Wirkungen“ sind natürlich rein subjektiv zu verstehen. Die Studienlage zeigt, dass Homöopathie keine Wirkung hat, die über ein Placebo hinausgeht. Ich empfehle dazu den Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie, in dem wissenschaftliche Studien und Aussagen über die Homöopathie akribisch durchleuchtet werden.

Beschwerden wurden eingebracht

Der Radiospot führte zu Beschwerden mit Verweis auf das österreichische Arzneimittelgesetz, das laut §51 Abs. (1) Ziffer 3 Laienwerbung für homöopathische Arzneispezialitäten ausdrücklich verbietet.

Laienwerbung darf nicht für (…) registrierte homöopathische Arzneispezialitäten betrieben werden.

Eine beim Werberat eingebrachte Beschwerde brachte kein Ergebnis – der Werberat betrachtete sich dafür nicht zuständig.

Auch dem ORF-Publikumsrat wurde eine Beschwerde zugestellt, da die Verbreitung auf den Radiosendern des ORF erfolgte. Hier lautete die Rechtfertigung:

Das beanstandete Radiosujet bewirbt kein explizites Produkt, sondern vielmehr den Hersteller selbst und stellt damit eine Imagewerbung für das Unternehmen dar. Die zitierten Bestimmungen des AMG (§50 und §50 a) beziehen sich auf Arzneispezialitäten (Produkte) und deren Bewerbung. Da in diesem Spot keine Produkte beworben werden, stellen diese Bestimmungen keinen Ausschlussgrund für diesen Spot dar.

Laut Rechtsansicht des Unternehmens wurde also das Gebiet der Homöopathie als Gesamtes beworben und nicht eine explizite Arzneispezialität. Ob ein Gericht ebenfalls so urteilen würde, erscheint dennoch fraglich.

Werbung mit konkreten Anwendungsgebieten

Derzeit hört man einen neuen Spot der Firma Peithner, in der konkrete Produkte und deren Indikationen beworben werden: Gripp-Heel bei Erkältungen und Tonsiotren bei Halsbeschwerden. Geht hier alles mit rechten Dingen zu?

Werfen wir dazu einen Blick in das österreichische Arzneimittelgesetz. Dort findet man die Begriffe „registrierte homöopathische Arzneispezialität“ und „zugelassene homöopathische Arzneispezialität“. Grundsätzlich müssen homöopathische Arzneispezialitäten nur registriert werden. Zusätzlich kann um eine Zulassung für ein therapeutisches Anwendungsgebiet angesucht werden. Dazu müssen in einem vereinfachten Verfahren nur Unterlagen eingereicht werden, die die Anwendung plausibel erscheinen lassen. Diese sind nicht mit den Unterlagen für die Zulassung eines Medikaments zu vergleichen, die umfangreiche klinische Studien erfordern.

Für eine Zulassung muss der Nachweis der spezifischen homöopathischen Wirksamkeit erbracht werden. Dies kann durch klinische Prüfungen oder durch allgemein anerkannte wissenschaftliche Literatur (…) erbracht werden. Zugelassene homöopathische Arzneispezialitäten erhalten eine den Unterlagen entsprechende Indikation. Registrierte homöopathische Arzneimittel enthalten weder im Namen, noch in der Kennzeichnung und Gebrauchsinformation eine Indikation. Die Wirkstoffe müssen so weit verdünnt werden, dass die Unbedenklichkeit der Arzneispezialität gewährleistet ist. Die Art der Anwendung registrierter homöopathischer Arzneimittel ist auf die orale und äußerliche Anwendung limitiert.

Bei Gripp-Heel und Tonsiotren aus der Werbung handelt es sich um solche zugelassene homöopathische Arzneispezialitäten.

Gesetzeslage in Österreich

Im österreichischen Arzneimittelgesetz AMG findet man folgende Regelungen für Arzneimittelwerbung, die ich hier vereinfacht darstellen möchte:

§ 50a erlaubt Werbung für

  • rezeptpflichtige Medikamente
  • zugelassene rezeptfreie Medikamente
  • zugelassene homöopathische Arzneispezialitäten
  • registrierte homöopathische Arzneispezialitäten

§ 51 schränkt Laienwerbung ein. Laienwerbung darf nicht betrieben werden für

  • rezeptpflichtige Medikamente
  • registrierte homöopathische Arzneispezialitäten

Somit bleibt Laienwerbung erlaubt für

  • zugelassene rezeptfreie Medikamente
  • zugelassene homöopathische Arzneispezialitäten

Die Produkte Gripp-Hell und Tonsiotren fallen in diese letzte Kategorie, für die Laienwerbung erlaubt ist. Man kann an der besagten Radiowerbung für Gripp-Heel und Tonsiotren also rein rechtlich nichts bemängeln. Vom wissenschaftlichen Standpunkt her gibt es hingegen sehr wohl etwas zu kritisieren: die fehlende Wirksamkeit der Homöopathie.

Ich habe versucht, die österreichische Rechtslage in einer Tabelle zu veranschaulichen:

Grafik_AMGBildquellen:

5 Kommentare

  1. Habe vor Jahren auch eine Beschwerde beim Werberat wegen dieser Werbung eingebracht, aber ….

    Ich finde es erschreckend, dass im 21. Jahrhundert, wo doch ein Großteil der Menschheit, zumindest in den Industrieländern, aufgeklärt sein sollte, so etwas noch möglich ist …

    Vielleicht können die Science Busters was bewirken, Homöopathie kann es ja nicht 😉

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  2. Grundsätzlich ist das Recht hier auf der Seite von Peithner. Siehe auch den Entscheid des OGHs zur Pneumokokken-Werbung von Pfizer.

    Korrektur zu Ihrer Anführung von §50a.
    Das AMG sagt, dass Werbung für registrierte Homöopathika, NICHT zugelassene Homöopathika erlaubt ist.

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    1. Auf den Schluss, dass Peithner im Recht ist, komme ich auch.

      Zu Ihrer Korrektur:
      Ich habe die Gesetzeslage, wie im Artikel dargelegt, vereinfacht beschrieben. Ich verwende beispielsweise den umgangssprachlichen Begriff Medikament, wenn ich in meinen Ausführungen von Arzneispezialitäten mit einer pharmakologisch wirksamen Wirksubstanz spreche. Sehen wir uns den § 50a AMG im Wortlaut an: Laut diesem darf Werbung unter anderem für
      – zugelassene Arzneispezialitäten
      – registrierte homöopathische Arzneispezialitäten
      betrieben werden.
      Die Zulassung von Arzneispezialitäten ist in §§ 7 ff geregelt, die vereinfachte Zulassung von homöopathischen Arzneispezialitäten in § 9b. Meiner Auffassung nach umfasst der Begriff „zugelassene Arzneispezialität“ auch die „zugelassenen homöopathischen Arzneispezialitäten“, welche ich zum besseren Verständnis als eigenen Punkt angeführt habe.

      Auch „rezeptpflichtige Medikamente“ und „zugelassene rezeptfreie Medikamente“ stehen so nicht im Gesetzestext unter § 50a, fallen aber unter die „zugelassenen Arzneispezialitäten“. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich mich hier irre!

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  3. Inzwischen startet die Peithner KG mit einem weiteren Radiospot durch, bei dem es um die neue Arzneimittellinie für Kinder geht *schauder*. Nach dem was ich hier und auf der HP vom Werberat gelesen habe, dürfte es hier wohl erneut wenig aussichtsreich sein, Beschwerde einzureichen, oder?

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