Zensur beim Weltbild-Verlag

Richard Dawkins ist ein britischer Evolutionsbiologe und bekennender Atheist. Sein Buch Der Gotteswahn führt bei Amazon die Bestsellerliste der Kategorie Religions- und Kirchenkritik an. Beim Buchhändler Weltbild sucht man diesen Titel hingegen vergeblich. Man findet zwar ein Werk namens Dawkins‘ Gotteswahn, dabei handelt es sich allerdings um ein Buch, das sich kritisch mit dem Original auseinandersetzt („kritische Antworten auf seine atheistische Mission“). Ist das gesuchte Buch etwa ausverkauft? Da bin ich skeptisch.

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Quelle: I-vista / pixelio.de

Die Verlagsgruppe Weltbild war bis zum Insolvenzantrag im Januar 2014 zu 100% im Besitz der katholischen Kirche. Gesellschafter waren unter anderem 12 deutsche Diözesen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Der Verlag war auch in die Schlagzeilen geraten, als er den Sadomaso-Bestseller „Shades of Grey“ in seinen Filialen boykottierte.

Kircheninternen Kritikern geht die Zensur hingegen zu wenig weit. Eine katholische Initiative prangerte bereits 2008 Angebot an „Sexbüchern, gewaltverherrlichenden, esoterischen, magischen und satanischen Schriften“ an. Die „Glaubwürdigkeit“ der Kirche wurde infrage gestellt, denn der Weltbild-Verlag vermittle kein katholisches Weltbild, sondern sei auf Kommerz ausgerichtet:

Verdient der größte deutsche Buchhändler, der zu 100 Prozent der katholischen Kirche gehört, Millionen mit Erotik und gar mit Pornografie? Über 2500 Treffer zeigt das Internetportal weltbild.de zum Suchbegriff Erotik an, darunter auch deftige Titel wie „Zur Hure erzogen“ und „Schlampeninternat“.

Ein Buch wird aus dem Sortiment der Buchhandlung Weltbild bestimmt nicht gestrichen: die Bibel. Dort finden wir auch ein passendes Zitat zu dieser Zweigleisigkeit:

Niemand kann zwei Herren dienen: (…) Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Zensur bei Hugendubel

Auch der deutschen Buchhandlung Hugendubel, die eine Kooperation mit Weltbild eingegangen war, wurde Zensur vorgeworfen, und zwar im eigenen Gewerkschaftsblog.

Durch die Kooperation mit dem Weltbild-Verlag der katholischen Kirche kam es im Onlineshop von Hugendubel kurzzeitig zur Anwendung eines „Filters“, der zahlreiche schwul-lesbische, kirchenkritische, esoterische und kommunistische Artikel herausfilterte.

Betroffen vom Filter waren beispielsweise

  • Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums
  • David Berger, Der heilige Schein
  • Carsten Frerk, Violettbuch Kirchenfinanzen
  • Dieter Funke, Die Wunde die nicht heilen kann
  • Michael Schmidt-Salomon, Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel

Nach der Trennung von Weltbild wurde der Filter entfernt und die Bücher tauchten in der Suche wieder auf. Auch in der Onlinesuche von Weltbild findet man heute die meisten Titel. Einzig für Karlheinz Deschners Kriminalgeschichte des Christentums gab es keinen Treffer. Dieses imposante Werk rechnet in 10 Bänden mit der katholischen Kirche ab.

In den 10 Bänden der “Kriminalgeschichte” mit ihren nahezu 6.000 Seiten und mehr als 100.000 Quellenbelegen hat Deschner eine Generalabrechnung mit der “Religion der Nächstenliebe” vorgelegt, die in der Weltliteratur ihresgleichen sucht.

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