Schotter gegen Erdstrahlen

In Bezug aufs Wohnen kommen immer mehr alltägliche Produkte in teureren, aber oft unsinnigen Premium-Varianten daher. Man kann seine Wände einfach mit Wandfarbe anstreichen, oder aber mit Ionit-Wandcreme für ein „gesundes Raumklima“ sorgen. Man kann einfach Wasser verwenden, oder mit der Grander-Technologie das „Wohlbefinden steigern“.

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Schotter soll vor Erdstrahlen schützen. Bild: lichtkunst.73 / pixelio.de

Die Angst vor den schädlichen Erdstrahlen

Ein neues Produkt hat nun die Firma Vitaquarz entwickelt. Sie warnt vor gefährlichen Störzonen und bietet Premium-Schotter an, der beim Hausbau den Einfluss von schädlichen Erdstrahlen verhindern soll:

Was die Alten immer schon wussten, wollte unsere vom Glauben an die Technik geprägte Generation vielfach nicht wahrhaben: Es gibt durch Wasserläufe, Bodenverwerfungen, Gesteinsformationen oder wodurch auch immer verursachte Störzonen, in denen ein lang andauernder Aufenthalt für den Menschen einfach schädlich ist. Inzwischen ist dies allgemein anerkanntes Gedankengut und man muss nicht ausgebildeter Radiästhesist sein um zu wissen, dass man beispielsweise seinen Schlafplatz nicht auf solchen Störungslinien haben soll. Die darauf zurückzuführenden Folgeschäden sind bereits vielfach dokumentiert und unumstritten. Richtig gewonnen und in der richtigen Körnung schützt vitaquarz den Menschen vor schädigenden Einflüssen durch Erdstrahlen.

Zweifelhafte Wirkung

Das hört sich ja schlimm an! Doch mit Vitaquarz können laut Hersteller Erdstrahlen nach Schüttung einer Schicht von ca. 25 bis 30 cm nicht mehr nachgewiesen werden. In einem Gutachten bestätigt „Biophysiker und Radiästhesist“ Dr. Karl Fitzka die Wirksamkeit des Produkts:

Ich gehe davon aus, dass vitaquarz nicht einfach den menschlichen Organismus schädigende Erdstrahlen abschirmt, vielmehr vitaquarz den schädigenden Erdstrahlen von unterirdischen Wasserläufen und Bodenverwerfungen eine positive Wirkung auf Geist und Seele entgegenstellt, die diese schädigenden Einflüsse überwiegt.

Die abschließende Bewertung klingt dann nicht mehr so euphorisch: Die Wirkung kann zwar nicht wissenschaftlich belegt werden. Aber wenn es schon nicht wirkt, so schadet es wenigstens nicht.

Und auch wenn ein naturwissenschaftlicher Beweis für die positive Wirkung von vitaquarz noch ausständig ist, kann garantiert werden, dass mit der Schüttung von vitaquarz keinerlei Risiko für Leib und Seele verbunden ist.

Was ist davon zu halten?

Warum man sich vor Erdstrahlen nicht fürchten muss, haben andere Blogger schon verständlich und ausführlich erklärt: Es gibt sie einfach nicht! Ich verweise hier auf naklar.at und das Goldene Brett. Dass die Erdstrahlen nach der Verwendung von Vitaquarz nicht nachweisbar sind, scheint nun logisch: Sie haben auch vorher nicht existiert. Radiästhesie ist eine Pseudowissenschaft. Dennoch floriert das Geschäft mit der Angst der Kunden. Lassen Sie sich also von pseudowissenschaftlichen Begriffen wie Erdstrahlen, Bodenverwerfung, Wasseradern, Störzonen oder Gitterlinien nicht verunsichern, denn

Die Störzonen, in denen Erdstrahlen entstehen, befinden sich nicht in der Erde, sondern im Kopf.

Auch von Rutengehern mit akademischen Titeln sollte man sich nicht beeindrucken lassen, selbst bei Akademikern kann mal eine Schraube locker sein.

Ärztekammer-Präsident als Befürworter

Bei den Referenzen preisen zufriedene Kunden die Vorteile von Vitaquarz an. Unter den Befürwortern findet man auch jemanden, der eigentlich die wissenschaftliche Expertise haben müsste, um Erdstrahlen als Aberglauben zu entlarven. Der Präsident der Ärztekammer Niederösterreich, Dr. Christoph Reisner, fürchtet sich anscheinend vor Erdstrahlen und ist von der positiven Wirkung von Vitaquarz überzeugt:

Ein Tipp hat uns auf die Idee gebracht. Da im Schlaf- und Wohnbereich relevante Wasseradern kreuzen, ließen wir unser Haus mit vitaquarz unterschottern. Obwohl es sich noch im Bau befindet, schreibe ich dem vitaquarz schon jetzt eine positive Wirkung zu.
Dr. med. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer NÖ

Die Ärztekammer wird von wissenschaftlicher Seite für angebotene Fortbildungsveranstaltungen auf dem Gebiet der Pseudomedizin scharf kritisiert. Vielleicht können Mediziner ja auch bald Wünschelruten-Diplome bei der Ärztefortbildung erwerben.

2 Kommentare

  1. Als erfahrener Wünschelrutengänger habe ich mich mit der Erforschung dieser sogenannten Erdstrahlen befaßt und dabei entdeckt, daß es sich um ganz normale elektrische Felder natürlichen Ursprungs handelt. Schottersteine, gleich welcher Art, schützen nicht vor elektrischen Feldern. Im Gegenteil, wenn in den Steinen metallische Mineralstoffe enthalten sind, dann teilt sich das elektrische Feld in zwei Teile auf und das Ganze wirkt dann wie eine Linse und kann zu einer ganz geringfügigen Verstärkung des Feldes führen. Mehr Informationen darüber finden Sie in:
    http://www.erdstrahlen-dichtung-und-wahrheit.de

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