Gefährliche Pseudomedizin im ORF

Dass die Sendung „heute leben“ manchmal mehr Unterhaltung als Information bietet, hat der ORF schon durch den wöchentlichen Astrologie-Beitrag gezeigt. Im Gegensatz zur Astrologie, die einfach als Schmarrn abgetan werden kann, bot der ORF in der Sendung vom 1. Dezember 2014 nun einer gefährlichen Pseudomedizin eine Plattform: Bioidentischen Hormonen.

In der Ankündigung zur Sendung heißt es:

Bioidentische Hormone
Wenn es um Hormonersatz geht, scheiden sich die Geister, vor allem seit die Therapie der Wechseljahre negativ in die Schlagzeilen kam. Erhöhtes Brustkrebs- und Herzinfarktrisiko, all das hat die Frauen verunsichert. Viele suchen nach Alternativen im Reich der Pflanzenwelt oder aber in sogenannten bioidentischen Hormonen.

Tatsächlich erhöht eine Hormonersatztherapie nach aktueller Datenlage das Risiko für gefährliche Krankheiten. Hat man nun wirklich eine sanfte Alternative gefunden?

Eine ausführlichere Programmbeschreibung besagt:

Alles, was gegen die Natur sei, habe auf Dauer keinen Bestand, meinte Charles Darwin – eine These, die einleuchtet – aber hat sie auch in der modernen Hormonersatztherapie ihre Bewandtnis? (…)
In den vergangenen Jahren haben Phytohormone, Produkte pflanzlichen Ursprungs (…) den Markt erobert. Sie wirken sanft und ausgleichend. Einige Ärzte schwören auf sogenannte bioidentische Hormone statt konventioneller Substitution.

Bioidentische Hormone werden aus pflanzlichen Vorläufern im Labor hergestellt. In der Sendung wird ausgeführt:

(O-Ton)
Sie sind die exakte chemische Kopie unserer körpereigenen Stoffe. Das bedeutet, sie werden vom Körper nicht als fremd erkannt und können sich problemlos in die natürlichen Körpermechanismen einfügen. Es ist das Schlüssel-Schlüsselloch-Prinzip. Die Theorie ist simpel: Man orientiert sich an der Natur, in dem die versiegenden Hormone durch Substanzen ersetzt werden, deren molekulare Struktur den eigenen gleicht. Der Vorteil: Der Körper verstoffwechselt sie nach dem Modell, das er kennt, und reagiert nicht mit unerwünschten Nebenwirkungen.

Glaubt man den dargestellten Informationen, handelt es sich um eine pflanzliche Alternative ohne Nebenwirkung, auch wenn man zugibt:

Jede Manipulation erfordert Fingerspitzengefühl nach dem Prinzip: So wenig wie nötig, so kurz wie möglich. Selbst Pflanzenmedizin muss mit Bedacht gewählt werden.

Im Studiogespräch suggeriert die Gynäkologin, dass die bioidentische Hormonersatztherapie bereits so etwas wie State of the Art sei, und wiederholt den Vorteil der geringen Nebenwirkungen:

(O-Ton)
Wir haben eher den Weg der althergebrachten Hormontherapie mit den konjugierten Östrogenen, die aus Stutenhaaren gewonnen wurden, eher [sic] verlassen und sind dazu übergegangen, bioidentische Hormone zu verwenden, das heißt: Wir verwenden nicht mehr ein Medikament, das Hormonwirkung entfaltet im Körper, sondern wir verwenden ein Medikament, das dem natürlichen Hormon nachgebaut ist. Die biochemische Struktur ist ident dem vom Körper produzierten Hormon. Und dadurch ist die Wirkung auch ähnlich oder gleich dem körpereigenen Hormon. Und damit habe ich keine oder weniger Nebenwirkungen.

Handelt es sich tatsächlich um eine bewährte, nebenwirkungsarme Therapie? Da bin ich skeptisch!

Das PharmaWiki bietet einen Überblick über wissenschaftliche Literatur zum Thema und fasst die Sachlage prägnant zusammen:

Die bioidentische Hormontherapie ist ein pseudowissenschaftliches Konzept, dass [sic] von der Annahme ausgeht, dass bioidentische Hormone nebenwirkungsarm und wirksamer als die synthetischen Derivate sind und in zahlreichen Indikationen angewandt werden können. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Methode haltlos und unsinnig.

Die Vertreter der bioidentischen Hormontherapie spielen geschickt mit den Ängsten und Wünschen der Patienten, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Um sich Autorität zu verleihen, verwenden sie die wissenschaftliche Terminologie und vermischen sie mit dem Bedürfnis nach Natürlichkeit. Die bioidentische Hormontherapie ist ein pseudowissenschaftliches Konzept, das aus wissenschaftlicher Sicht haltlos und unsinnig ist.

Das Konzept der „Bioidentischen Hormontherapie“ (BHT) ist vor allem in den USA populär. Dies erklärt vielleicht, warum man in der deutschen Wikipedia keine Erwähnung findet, während in der englischsprachigen Wikipedia darüber ein eigener, sehr ausführlicher Artikel mit zahlreichen Literaturangaben existiert.

Diese Therapie wird in den USA als Allheilmittel für verschiedenste Anwendungsgebiete verkauft, unter anderem soll es verjüngend wirken und das Leben verlängern, wie man etwa im vermarkteten Buch Stay Young & Sexy with Bio-Identical Hormone Replacement lernen kann. Die Sendung „heute leben“ bietet ebenfalls einen Buchtipp an: Bioidentische Hormone – Das Standardwerk. Dabei handelt es sich übrigens um die deutsche Übersetzung von Stay Young & Sexy with Bio-Identical Hormone Replacement.

Fazit:

Mit dem Label der Natürlichkeit wird hier also ein pseudowissenschaftliches Konzept vermarktet, für dessen Nutzen es keine wissenschaftlichen Belege gibt. Bioidentische Hormone werden als nebenwirkungsarm beschrieben, haben aber meist dieselben gefährlichen Nebenwirkungen wie die konventionellen Wirkstoffe.

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13 Kommentare

  1. Die Art wie in diesem Artikel eine angebliche „Unwissenschaftlichkeit“ „bewiesen“ werden soll, muss sich selbst den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit gefallen lassen.
    Es werden lediglich abwertende Begriffe gebracht, ohne eine Begründung abzugeben.
    Das alles sieht mehr nach persönlicher (vorgespannter) Meinung aus als nach echter Information.
    Mit Hormonen kann man/frau viel Unfug anstellen – das hängt gar nicht von der Herstellungsweise ab – hier ist der Arzt in jedem Fall gefordert.
    Daß künstliche Stoffe aus Patentschutzgründen „modifiziert“ werden, und man damit Nebenwirkungen in Kauf nimmt, wird gar nicht erwähnt – die Effekte kennt jeder, der auf ein „Markenpräparat“ eingestellt war und ein Nachahmerprodukt nehmen musste: die Verträglichkeit ist i.d.R. eine andere, meist schlechtere.
    Fazit: Viel Qualm und Denunziation und keine Fakten.

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    1. Ich kann deine heftige Kritik nicht ganz nachvollziehen, denn du stimmst mir ja gerade im wichtigsten Punkt zu: Hormone haben Nebenwirkungen, auf die Herstellungsweise kommt es nicht an. Natürlich muss dabei jeder Wirkstoff für sich bewertet werden. Eine Änderung in der Molekülstruktur kann andere Eigenschaften bewirken. Der Wirkstoff aus der Weidenrinde wurde beispielsweise erst duch eine Modifikationen des Wirkstoffmoleküls verträglich genug, um als Aspirin erfolgreich zu werden. Kannst du mir Beispiele und Quellen für deine Behauptung nennen?

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      1. Was genau ist „heftig“ an der Kritik der Kritik? Schon die Einleitung des Blogeintrags ist alles andere als sachlich („Gefährliche Pseudomedizin“). Was genau ist denn gefährlich an dieser neuen Therapie, was nicht an allen bekannten Hormonprodukten mindestens genauso riskant ist? Presomen beispielsweise, ein häufig verwendetes Medikament, das aus dem Urin von trächtigen Stuten unter grausamsten Bedingungen in den USA gewonnen wird, hat äußerst heftige Nebenwirkungen. Was kann noch gefährlicher sein als das Zeug? Ich lese keine Fakten oder Erkenntnisse, die diese Kritik rechtfertigen.Stattdessen wird aus PharmaWiki zitiert, einer Plattform, die von Schweizer Schulmedizinern betrieben wird. Wie glaubwürdig ist das denn?
        Kann mich dem Fazit von Joe Doe nur anschließen. Die Frage nach Quellen und Beispielen setzt der Scheinheiligkeit die Krone auf – bring‘ erstmal selbst welche!

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        1. „Was genau ist denn gefährlich an dieser neuen Therapie, was nicht an allen bekannten Hormonprodukten mindestens genauso riskant ist?“
          Du sagst es hier selbst: Bioidentische Hormone sind genauso riskant wie die konventionelle Hormonersatztherapie! Sie werden aber als sanfte Alternative, frei von Nebenwirkungen beworben. Man tut in der Werbung so, als ob es kein Risiko gäbe und die neue Therapie überlegen wäre. Frauen, die sich aufgrund der Nebenwirkungen keiner Hormonersatztherapie unterziehen würden, lassen sich durch die Vermarktung der bioidentischen Hormone als „natürlich“ zu einer solchen Therapie überreden – und erhalten erst recht die Nebenwirkungen, die sie eigentlich vermeiden wollten. Für die Fakten, dass bioidentische Hormone nicht besser sind, habe ich auf die wissenschaftliche Literatur verwiesen. Wenn einer nun das Gegenteil behauptet, dann ist er aufgefordert, Belege für seine Aussagen zu bringen.

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  2. Jeder der im Humanmedzizinstudium Biochemie gelernt hat, dürfte sich über die chemische Strukturformel weit hinaus Wissen erworben haben. Das der Pharmaindustrie, welche alleine an der Vermarktung der Kontrazpetiva (Pille, Hormonspirale, Nubaring, Implanon, etc) verdienen, ist nicht gedient die Bioidenten Hormone ins Spiel zu bringen. Dennoch gibt es registrierte Präparate seit dem WHI Studien-Diaaster 2002. (Utrogestan und Arefam = Körperidentes Progesteron). Doz. Dr. Alexander Römmler aus München hat 2015 Wissenschaftlicher Artikel in der Medical Tribune veröffentlich. Prof. Dr. Johannes Huber aus Wien arbeitet wissenschaftlich mit diesem Thema. Manchmal frage ich mich, was wirklich die Pseudowissenschaft ist?! Die Pillenpräparate, welche unreflektiert an alle, auch sehr junge Frauen abgegeben wird, oder Hormonersatztherapie mit Risikoprofilerstellung, Labordiagnostischer Kontrolle der Therapieplanung und -fortführung, individueller Dosierung.?
    Es gäbe noch viel mehr differenziert dazu zu erwähnen, allerdings bei Menschen, welche so engstirnig denken, mache ich mir nicht die Mühe einer Aufklärung.

    Dr. Heike Flatz

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    1. Die bioidentische Hormontherapie ist deshalb eine Pseudowissenschaft, weil sie alleine vom Begriff der Natürlichkeit ihre Überlegenheit ableitet. Sie ignoriert, dass es darauf ankommt, wie die chemischen Verbindungen verstoffwechselt werden, und nicht, wo sie herkommen. Sogar Ihr zitierter Prof. Römmler schreibt, dass jedes Präparat für sich bewertet werden müsste. Bisher konnte einzig für das Progesteron ein verbessertes Sicherheitsprofil gezeigt werden. Das hält begeisterte Anhänger nicht davon ab, die bioidentische Hormontherapie als Ganzes euphorisch zu bewerben, als Allheilmittel zu vermarkten und damit an Patientinnen herumzudoktern. Sie gilt als Alternativmedizin, weil sich ihre Vertreter nicht um den Stand der Wissenschaft scheren, sondern sich lieber ihre vorgefassten Meinungen bestätigen lassen. Ich würde mir wünschen, dass alle Hormonpräparate in klinischen Studien untersucht werden, bevor sie den Patientinnen verabreicht werden. Sollte sich die Überlegenheit zeigen, werde ich mich freuen, dass eine neue Therapieoption offensteht. Dann zählt nicht, ob etwas synthetisch, bioidentisch oder sonst etwas ist, sondern ob die Patientinnen davon profitieren. Wie engstirnig von mir 😉 Die Vertreter der bioidentischen Hormone hingegen brauchen solche Versuche anscheinend nicht, denn für sie steht das Ergebnis ohnehin schon fest.
      Wie wollen Sie die Präparate individuell dosieren und kontrollieren, wenn nie in sauberen wissenschaftlichen Studien getestet wurde, wie sie denn überhaupt wirken, welche Nebenwirkungen zu erwarten sind und wie sie im Vergleich zu anderen Präparaten abschneiden? Bringt es Sie nicht zum Nachdenken, warum sämtliche Fachgesellschaften aufgrund der ungewissen Risiken vor der bioidentischen Hormontherapie warnen?

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      1. Großen Respekt an wirklichskeptisch, wie sachlich auf Kommentare ala heike Flatz & Co eingegangen wird..

        Sie hätten zwar eigentlich keine Antwort verdient, jedoch würden sich die Ersteller dann wohl auch noch im Recht fühlen 😉

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      2. Ich danke für diese Antwort und melde mich nun 1 1/2 Jahre später, nachdem jetzt gerade die Leitlinien für Hormonersatztherapien in Überarbeitung sind. Egal ob AWMF oder die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie.
        Ich finde solch einen Blog sinnvoll, wenn wir uns sehr differenziert mit Themen auseinandersetzen können. Zu Ihrer Antwort vom Oktober 2016 gehe ich folgender Maßen ein. Wenn es also überhaupt nur für das Progesteron ein Sicherheitsprofil gibt, warum verschreibt man dann die Pille mit Östradiolderivaten und Gestagenen (künstliche Gelbkörperhormone), wie soll man ein Sicherheitsprofil für Hormone erstellen, die im Blut nicht messbar sind? Dies sind die BioidentenHormone. Ein Wort wie Studie oder Sicherheitsprofil mag sehr machtvoll klingen, dazu muss man aber gerade bei den Hormonen wissen, wie man es messen kann, wenn man auf so evidenzbasierte Daten wert legt.
        Dieser Blog überschreitet für mich die Kapazität Ihnen dies alles zu schreiben. Dennoch war in Orlando am Menopausen Kongress einiges los und natürlich wird man es vermeiden Bioidente Substanzen einzusetzen, einfach weil man sie nicht
        Ich finde richtig, dass es nicht sanfte Medizin genannt werden sollte und solche Begriffe, wie forever young und AntiAging stören mich persönlich auch. Jedoch profitieren Patientinnen, wenn ein Risikoprofil mit einer ausführlichen Anamnese, ein Labor oder noch besser ein Harnbefund erhoben wird, eine individuelle Therapie (nicht einfach Standarddosierung) und eine 3 monatige Kontrolle gemacht wird.
        Sie empfehlen aber in dem Fall lieber künstliche Substanzen, welche in Standarddosen in alle Menschen geleert werden sollten. So wie man ja Frauen lieber im Wechsel Antidepressiva und Schlafmitteln verordnen soll. (Siehe alte Leitlinien der Gesellschaft für Gynäkologie Deutschland 2012), dass dies Frauen natürlich verunsichert sind, dürfte auf der Hand liegen.
        Und nur soviel, ich bekomme regelmäßig vom Bundesministerium Schreiben darüber, welche Medikamente nach jahrzehntelangem (angeblich sicherer) Anwendung vom Markt genommen werden.
        Also ich begrüße Ihren Blog, dennoch bitte ich Sie etwas fairer mit diesem Thema umzugehen.

        Liebe Grüße

        Heike Flatz

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        1. Schön wieder von Ihnen zu hören! Sie haben das 2016 Annual Meeting der North American Menopause Society (NAMS) in Orlando erwähnt. Welche bahnbrechenden Ergebnisse zu bioidentischen Hormonen wurden dort diskutiert? Im Programm steht davon nichts.
          https://www.menopause.org/annual-meetings/2016-meeting/scientific-program

          Sie scheinen zu hoffen, dass sich die Leitlinien zugunsten der bioidentischen Hormone ändern werden. Ich muss Sie enttäuschen: In den letzten 1 1/2 Jahren hat sich zwar einiges getan, allerdings nicht so wie Sie sich das wünschen. Ein aktuelles Position Statement der NAMS (2017), das von Fachgesellschaften weltweit unterstützt wird, betont die Sicherheitsbedenken. Im Position Statement der American Association of Clinical Endocrinologists (AACE) aus dem Jahr 2017 wird festgehalten, dass aktuelle Ergebnisse die bisherigen Warnungen bestätigen: „Newer information supports the previous recommendation against the use of bioidentical hormones. AACE does not recommend use of bioidentical hormone therapy.“

          Bioidentische Wirkstoffe sind nicht Teufelszeug, sondern finden sich auch in konventionellen Präparaten und können verwendet werden, wenn andere Wirkstoffe nicht vertragen werden. Was dabei wichtig ist, Sie aber noch immer nicht verinnerlicht haben: Es gibt dasselbe Risiko für Nebenwirkungen. Das Problematische an der „bioidentischen Hormontherapie“ sind nicht die bioidentischen Hormone an sich, sondern der naive Glaube an ihre Überlegenheit.

          Sie konstruieren einen Gegensatz zwischen den „guten“ bioidentischen und den „bösen“ künstlichen Substanzen (übrigens werden auch bioidentische Hormone synthetisiert). Diese Einteilung in gut und böse ist jedoch willkürlich, es zählt die Wirkung der Substanz auf den Menschen. Man ist nicht vor Nebenwirkungen gefeit, nur weil bioidentische Hormone mit den vom Körper selbst hergestellten Hormonen identisch sind. Chemische Derivate schneiden oft besser ab als ihre natürlichen Vorläufer. Was nützt die „bioidentische“ Eigenschaft eines Hormons, wenn sich herausstellt, dass sich damit für die Patientinnen das Krebsrisiko erhöht?

          Sie behaupten, zugelassene Therapieformen würden „Standarddosierungen in alle Menschen leeren“, hingegen würde die „bioidentische Hormontherapie“ indivduell therapieren. Das kann man definitiv nicht so stehen lassen. Individuelle Hormontherapie hört sich gut an, funktioniert aber in der Praxis leider nicht, weil die Testmethoden unzuverlässig sind. Von Verfechtern der „bioidentischen Hormontherapie“ werden Speicheltests groß beworben. Die inter- und intraindividuellen sowie tageszeitlichen Schwankungen der Ergebnisse dieser Speicheltests sind jedoch zu groß, um etwas Sinnvolles daraus abzuleiten. Deshalb wird von derartigen Tests abgeraten. Wenn Sie sich nach solchen Tests richten, verabreichen Sie keine individuellen Dosierungen, sondern zufällige Dosierungen.

          Mich irritiert Ihre Aussage, dass Hormone im Blut nicht messbar seien. Wie kommen diese denn in den Speichel, wenn sie vorher nicht im Blut waren, aus dem der Speichel gefiltert wird? Auch Bluttests bringen übrigens keinen Nutzen für die Dosierung von Hormonen. Es existiert kein zuverlässiger Test, auch wenn Sie das Ihren Kundinnen weismachen wollen. Die allgemeine Empfehlung in der konventionellen Therapie lautet daher, sich nach der Schwere der Symptome zu richten und jene geringste Dosierung zu wählen, mit der sich die Symptome lindern lassen. Ich fasse zusammen: Die konventionelle Therapie verwendet die geringste notwendige Dosis, die „bioidentische“ Therapie hingegen verabreicht beliebige Dosierungen basierend auf Zufallsschwankungen.

          Zugelassene Medikamente werden nach ihrer Zulassung in sogenannten Phase-IV-Studien untersucht. Diese dienen dazu, um seltene Nebenwirkungen und Informationen zur Anwendung des Arzneimittels unter Alltagsbedingungen zu erheben. Stellt sich das langfristige Risiko-Nutzen-Verhältnis als inakzeptabel heraus, werden zugelassene Medikamente auch wieder vom Markt genommen. Zur Arzneimittelsicherheit scheinen Sie ein zwiespältiges Verhältnis zu haben: Während Sie einerseits strenge Sicherheitsbestimmungen fordern, sind Ihnen andererseits die Sicherheitsbedenken zur unkontrollierten Verabreichung von bioidentischen Hormonen gleichgültig. Statt einer Risiko-Nutzen-Abwägung wünschen Sie sich beim Thema bioidentische Hormone lieber „Fairness“.

          Ich kann Ihnen nur raten, Ihre Quellen kritisch zu hinterfragen und ernsthafte wissenschaftliche Literatur zu Rate zu ziehen. Eine „differenzierte Auseinandersetzung“, wie von Ihnen gefordert, wird sonst schwierig. Ich sehe mich hier aber ohnehin auf verlorenem Posten, Sie scheinen dem Wunschdenken der sogenannten „Naturheilkunde“ erlegen zu sein.

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  3. Ich bin eine geplagte Patientin die „Medikamente mit hormon-ähnlicher Wirkung“ noch nie vertragen hat. Doch welche Alternativen blieben einem damals jungen Menschen, sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen? Die Frauenärzte hatten ja nichts anderes anzubieten. In dem Beipackzettel standen die Nebenwirkungen die ich denke jede Frau gezwungenermaßen in Kauf nehmen musste um nicht schwanger zu werden. Von der 3 Monatsspritze wurde ich 3 Monate lang von Bremsen verfolgt und 2 x gestochen. Meine Hand und mein Bein schwollen ins unermessliche an und niemand von den Ärzten konnte oder wollte mir Auskunft geben, warum die Bremsen so wild auf meinen Körpergeruch waren. Die Bremsen rochen mich als sei ich ein Pferd. Von der 3 Monats-spritze bekam ich vom ersten bis zum letzten Tag an Schmierblutungen, so das ich so genervt war von dem Zeugs das ich es am liebsten irgendwie rausgespült hätte wäre dies gegangen. Nachdem das Zeugs aus meinem Körper verschwunden war, hatte ich mit den Bremsen wieder Freundschaft geschlossen. Als junges 19 jähriges Mädchen bekam ich die Diane 35 vom Frauenarzt verschrieben weil ich schwere Akne hat. Dieses führte zu 25 kg Gewichtszunahme innerhalt 2 Monaten, obwohl ich vorher eine sehr schlanke Figur hatte und niemals Probleme mit dem Gewicht, ich alles essen konnte und viel. Es folgten Wasseransammlung in den Beinen und eine Thrombose.
    Nach der Spirale musste ich mich nach 2 Jahren einer Konisation unterziehen. Vom Pflaster das sich immerzu ablöste bekam ich auch Schmierblutungen und ich war mir nie sicher ob es wirkte. Im Großen und Ganzen hatte ich immer mit massiven Nebenwirkungen zu tun bei der Einnahme von „Medikamente mit hormon-ähnlicher Wirkung“. Mir fällt noch ein das kein Frauenarzt in jungen Jahren vor der Verschreibung der „Medikamente mit hormon-ähnlicher Wirkung“ einen Hormonstatus gemacht hat. Erst mit dem Eintritt in die Wechseljahre wurde zum ersten Mal ein Hormoncheck gemacht. Wozu, wenn ich doch wieder eine Östrogensalbe bekam die jede Frau mal mehr mal weniger drauf trägt. Immer wird mir vom Frauenarzt versichert das ich keine Angst zu haben hätte, von der Östrogensalbe eine erneute Thrombose zu bekommen, da es sehr gering dosiert sei. Apropo, die Salben habe ich auch nicht vertragen. Wen wundert es. Das Frauen wie ich die eine Leidensgeschichte mit „Medikamenten mit hormon-ähnlicher Wirkung“ hinter sich haben, nach Alternativen suchen ist soweit verständlich, oder?
    Jedoch muss ich vermerken das ich in Alternativen wie bioidentische Hormone etc. auch kein Vertrauen habe oder besser gesagt in Ärzte oder Heilpraktiker die dem Patienten vorgaukeln alles unter Kontrolle zu haben! Niemand weiß doch wirklich, außer das Labor wie es hergestellt wird und was alles darin ist, wie es sich nach Jahrelanger Einnahme auf den Körper auswirkt. Dazu kommt das es sehr wenige Frauenärzte gibt, die Wissen um bioidentische Hormone haben und es auf Rezept verschreiben. m.M. nach wird sehr sorglos mit Hormonen umgegangen auch seitens der Patienten die ganz gleich eine Einnahme als „Medikament mit hormon-ähnlicher Wirkung“ oder bioidentische, körpereigene Hormone vorziehen. Ich plage mich weiterhin mit brennenden trockenen Schleim-Häuten, übermäßiger Hitze im Körper, Osteoporose Anzeichen, Schmerzen in den Muskeln und und einem Wohlbefinden das im Keller ist.
    Noch was, es gibt bereits so viele Einzelfirmen die Hormone im Netz verkaufen als seien es Bonbons. Herstellung, Inhaltsstoffe Fehlanzeige. Es geht doch immer nur um Profit, und die Patienten müssen selbst zusehen, wie sie ihre Gesundheit nicht schädigen.

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